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HSH Nordbank besteht knapp Stresstest – viele Fragen bleiben offen.

27 Oktober 2014
von Dani Parthum

Logo der HSH Nordbank

Es ist der Tag nach Bekanntgabe der Ergebnisse des EZB-Stresstests. Ein Aufatmen scheint durch Europa und auch Deutschland zu gehen. Denn die als Wackelkandidaten bezeichneten Banken wie die HSH Nordbank haben den Test bestanden. Aha.

Was heißt dabei „bestanden“?

Die Banken können für die nächsten drei Jahre, bis 2016, ein gewisses Maß an hartem (Kern-)Eigenkapital vorweisen, dass ihnen beim Überleben einer neuen Krise im Bankensektor und/oder der Wirtschaft hilft, sagen wir besser: helfen soll, um nicht pleite zu gehen. Dieses Maß ist die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier1 Ratio), die mindestens 5,5 Prozent betragen muss. So hat es die EZB festgelegt für ihre Stresssimulation.

Die HSH Nordbank erreichte im Stressszenario eine Kernkapitalquote von 6,06 Prozent für 2016

Sehr knapp hat die Nordbank also bestanden. Und auch NUR deshalb bestanden, weil die EZB offenbar VOLLSTÄNDIG die 10-Mrd.-Euro- Garantie der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein mit in ihr Rechenwerk einbezogen hat. (vgl. dazu HSH-Ergebnisse, Specific Notes)  

Und TROTZ dieses 10-Mrd.-Jackpots kommt die HSH gerade so auf 6,06 Prozent harte Kernkapitalquote im Test, bei dem 5,5 Prozent als Minimum gefordert sind.

Wieso jetzt so viele aufatmen – gerade hier im Norden – erschließt sich mir schon allein aufgrund dieses Umstandes nicht.  

Denn das heißt doch im Umkehrschluss: Ohne die 10-Mrd.-Garantie der Länder würde die HSH neues Kapital benötigen. Und: Die EZB geht, wenn sie die 10 Mrd. miteinrechnet, offenbar davon aus, dass im Fall der Fälle die 10 Mrd. an die Bank fließen werden. Da die ohnehin überschuldeten Länder diese Milliarden nicht haben, müssten sie sie – wie bisher alle in die HSH eingebrachten Milliarden – auf den Kapitalmärkten aufnehmen, sprich: sich neu verschulden.   

Wer sich zudem die Mühe macht und sich durch die Tabellen und „Erklärungen“ der EZB arbeitet – die alle in englischer Fach-Sprache gehalten sind – wird das Gefühl nicht los, das Wichtiges in den Veröffentlichungen im Vagen bleibt. Und: dass die EZB offenbar nicht daran interessiert ist, sich und ihre Testergebnisse der breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Transparenz sieht für mich anders aus.

Diese Fragen drängen sich bei mir zum Stresstest bei der HSH Nordbank auf: 

– Wie und in welchem Umfang hat die EZB im Stressszenario die 10-Mrd.-Garantie mit einbezogen

– Haben die Prüfer der EZB beim Stresstest die Verpflichtungen der HSH gegenüber den Ländern aufgrund der 10-Mrd.-Garantie bis zum Jahr 2016 berücksichtigt?
Die HSH hat ja bereits angekündigt, ab 2019 bis zu 1,6 Mrd. der Garantie in Anspruch zu nehmen. Für diese absehbare Inanspruchnahme aber muss die HSH den Ländern eine Zusatzgebühr zahlen, rund 900 Mio. Euro. Wurden die berücksichtigt? Das geht aus den EZB-Testergebnissen zur HSH nicht hervor.

– Die HSH weist im Vergleich zu anderen Banken Ende 2013 eine hohe Rate der „notleidenden Positionen“ in Höhe von fast 18 Prozent auf. Die ebenfalls angeschlagene BayernLB kommt bei dieser „non-performing exposures ratio“ Ende 2013 nur auf 4,3 Prozent, die Deutsche Bank auf 3,5 Prozent. Welchen Einfluss hatte dieses hohe Ausfallrisiko der Bankpositionen wie Krediten, Derivaten etc., und wie entwickelte es sich im Stressszenario? 

– Wieso sind die Rechnungen hinter den publizierten Zahlen nicht einsehbar, wo doch die EZB durch den Stresstest vor allem Transparenz und Glaubwürdigkeit herstellen will? (sehr lesenswerter Blog-Eintrag „Der AQR der EZB„)   

– Was führt trotz 10-Mrd.-Garantie dazu, dass bei der HSH Nordbank die „Fully Loaded Common Equity Tier 1 Capital ratio“ (nach Basel III) im Stressfall des Jahres 2016 auf 4,8 Prozent absinkt, also UNTER die heute geforderten 5,5 Prozent?  

– Und was bedeutet das? Dass die Länder spätestens ab 2016 – wenn Basel III dann gilt – doch Kapital nachschießen müssten?

– Wie ändern sich die Ergebnisse des Stresstests, wenn die EU-Kommission im derzeit noch laufenden Beihilfeverfahren die Aufstockung der Mrd.-Garantie der Länder von 7 auf 10 Mrd. als unerlaubte Subvention ansieht? Die Ergebnisse des EZB-Stresstests stehen unter diesem Vorbehalt. Sie wären dann Makulatur. Aus welchem Grund hat die EZB darauf verzichtet, diesen durchaus wahrscheinlichen Fall ebenfalls durchzuspielen?

 

Andere Blogger sehen im Stresstest sogar nur eine Art Beruhigungspille und eine PR-Übung, lesenswert dazu dieser Blog-Eintrag (leider nur in Englisch)
Lesenwerter, kritischer Bericht auch auf tagesschau.de

Haben auch Sie Fragen und Anmerkungen zum Stresstest? Dann kommentieren Sie bitte.

 

Nachtrag vom 28. Oktober 2014:
Die EZB hat jetzt eine 15-Seitige-Kurzfassung ihres 178-Seiten-Ergebnis-Berichtes in anderen Sprachen ins Netz gestellt. In deutscher Sprache können Sie die Ergebnisse hier nachlesen. Die nationalen Ergebnisse liegen weiterhin nur auf Englisch vor. Auf Tagesschau.de heißt es, die EZB werte die Daten noch aus. Vielleicht stehen bald vertiefende Daten auf den Seiten der EZB. Das wäre zu begrüßen.

 

10 Kommentare Auch mitreden →
  1. 27. Oktober 2014 @ 15:40

    Ohne absolute Sicherheit in meiner Aussage:

    Die Garantie dürfte im Stresstest nicht berücksichtigt sein. Es ist ja „nur“ eine Garantie für den Notfall, kein real geflossenes Geld. Daher erhöht sich durch die Garantie auch die Eigenkapitalquote nicht. Sollte die HSH die Garantie in Anspruch nehmen, würde sich die Bewertung natürlich ändern.

    Die anderen Detailfragen kann ich noch weniger beantworten, aber in einem zustimmen: Die Risikopositionen in den Büchern der HSH Nordbank sind hoch, richtig hoch. Sollte sich der Schiffsmarkt abkühlen, wird es bei der HSH zu Abschreibungen kommen, die je nach Höhe richtig ans Eingemachte gehen werden. Egal was der Stresstest jetzt auch sagen mag …

    Hab auch etwas zum Stresstest geschrieben … http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2014/10/ergebnisse-des-ezb-bankenstresstest.html

    • 27. Oktober 2014 @ 16:36

      Danke für Ihren Kommentar.
      Genau das ist es ja, was mich umtreibt. Wie wurde die Garantie berücksichtigt?
      In einer einführenden Notiz zu den HSH-Ergebnissen heißt es: „The Comprehensive Assessment has been conducted on the basis of the fully €10BN.“ Daraus lese ich: Der Stresstest wurde unter Berücksichtigung der 10-Mrd-Garantie durchgeführt.
      Und das heißt für mich: Die Milliardengarantie findet zu 100% Eingang in den Test. Wo und Wie … das bleibt unerklärt.
      Was lesen Sie aus dieser wichtigen Mitteilung heraus?

  2. 28. Oktober 2014 @ 8:56

    Die HSH würde aus meiner Sicht keine Kredite mehr bekommen, wenn die Garantie nicht im Hintergrund stünde.

    Die Garantie sorgt also nicht nur dafür, dass die HSH Nordbank noch Geld bekommt, die Garantie sorgt auch dafür, dass die HSH marktübliche Zinsen bezahlt. Wäre die Garantie nicht da, wäre die Gewinnlage des Unternehmens viel schlechter (mit negativen Auswirkungen auf das Eigenkapital)

    Ich bin mir bei dieser vorsichtigen Interpretation aber überhaupt nicht sicher. Es kann auch gut sein, dass hier wirklich die 10 Milliarden Garantie so berücksichtigt wird als würde sie vollständig gezogen. Das halte ich aber für unwahrscheinlich, denn dann müsste die HSH ja irgendwo bei 20 oder 30% Eigenkapitalquote starten …

    Mal schauen, ob da noch Details und Erklärungen kommen …

    • 28. Oktober 2014 @ 8:58

      Ich denke auch, dass die Garantie vor allem für niedrige Refinanzierungskosten sorgt. Vielleicht wird sie auch als Puffer für die Risikovorsorge herangezogen. Die EZB hat ja ein Manual herausgegeben, wo die Rechnungen mathematisch und schriftlich erklärt werden. Dieses Manual ist aber ziemlich umfangreich und technisch.
      Wenn ich es schaffe, rufe ich die Tage mal bei der BaFin an und frage, wie das war mit der Garantie-Berücksichtigung. Meist sagen die aber nichts … Den Versuch ist es aber wert, eben weil so wenig darüber von der EZB bekannt gemacht wird.

  3. Neutraler Beobachter permalink
    29. Oktober 2014 @ 18:31

    Ich muss gestehen, dass ich die letzten Kommentare nur bedingt verstehe… Natürlich wird die Garantie beim CA berücksichtigt… Warum sollte sie auch nicht berücksichtigt werden? Die Garantie ist elementarerer Bestandteil des Rettungspakets der Länder S-H und Hamburg.

    • 30. Oktober 2014 @ 8:32

      Die Frage, die wir hier diskutieren, ist ja, WIE die Garantie Einzug in die Testrechnung findet.
      Könnten Sie uns da mit Wissen aushelfen?

  4. Werner Marnette permalink
    31. Oktober 2014 @ 15:41

    Liebe Frau Parthum, herzlichen Dank für die erläuternde Analyse. Das Bestehen des Tests durch die HSH ist rational nicht zu begründen und stellt daher eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung im Bankensektor dar. Ich bin fest davon überzeugt, dass auch von der Bundesregierung massiver Druck auf die EZB ausgeübt worden ist. Denn wäre die HSH gefallen, hätte sich die Bundesregierung viele peinliche Fragen zur „Bankenrettung in 2008/2009 gefallen lassen müssen. Gruß W.Marnette

  5. Neutraler Beobachter permalink
    31. Oktober 2014 @ 17:06

    Es ist eigentlich ganz einfach: Die Garantie bezieht sich auf ein konkretes Teilportfolio aus der Bilanz. Kommt es innerhalb dieses Portfolios zu negativen Wertveränderungen, werden diese Veränderungen mit der Zweitverlustgarantie bis zu einem Betrag von 10 Mrd.€ verrechnet.

    • 31. Oktober 2014 @ 22:08

      Sie sprechen wahrscheinlich das so genannte Sunrise-Portfolio an, das zum Halbjahr 2014 – wenn ich mich richtig erinnere – noch „Wert“papiere und Kredite und … in Höhe von etwa 56 Milliarden Euro enthalten hat. Wenn das so gerechnet worden ist von der EZB wie Sie schreiben, was ich mir gut vorstellen kann, hat die HSH nach meinem Verständnis ordentlichen Wertberichtigungs- oder Risikovorsorgebedarf in ihren „normalen“ Beständen – oder weiteren Kapitalbedarf. Denn wenn die 10-Mrd-Garantie die Verluste aus den riskanten Sunrise-Papieren (Kreditersatzgeschäft, Schiffkredite …) abfedert und die Kernkapitalquote im Stressszenario gerade so gehalten wurde, heißt das für mich: selbst in den normalen Beständen der HSH herrscht ein hohes Maß an Risiko.
      Vielleicht sehe ich das aber auch falsch.

      Für mich würde Ihre Aussage dann aber auch bedeuten: Die EZB kalkuliert ein, dass die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein im Verlustfall die vollen 10 Milliarden an die HSH überweisen. Da die EU für den Fall der Inanspruchnahme der Garantie vorgeschrieben hat, dass die HSH den Ländern zuvor eine Extra-Gebühr zu bezahlen hat, müsste die EZB diese Gebühr in Milliardenhöhe ebenfalls mit einkalkulieren in ihre Kernkapitalberechnungen. Wenn denn die Ländern nicht – wie seit diesem Jahr geschehen – auf die ihnen zustehende Zusatzgebühr verzichten. Das hätten die Länder der EZB nach meinem Verständnis für den Stresstest aber mitteilen müssen. Der Verzicht müsste aber valide sein, sonst bleibt der Test theroetisch und beliebig. Von einem entsprechenden Parlamentbeschluss, oder zumindest einer Diskussion darüber, habe ich aber nichts gehört oder gelesen.

      Allein die Tatsache, dass über diese Zusammenhänge und Hintergründe geschwiegen wird von Bank- und Senatsseite, obwohl wir Bürger die Verluste der HSH mittragen müssen, (was wir seit 2008 tun, ich habe das für beide Nordländer recherchiert) ist eine Zumutung und verstößt gegen mein Demokratieverständnis.

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