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Schwierige Arbeitsbedingungen im HSH Prozess.

19 September 2013
von Dani Parthum

Grenzwertige Bedingungen

Stillsitzen über Stunden und zuhören, ohne auch nur eine Fragen stellen zu dürfen, ist für Journalisten eine nervenaufreibende Angelegenheit. Mehr als einmal wäre ich am liebesten aufgesprungen und hätte das Fragerecht an mich gerissen. Ich habe mich beherrscht. Journalisten und Beobachter haben im Gerichtssall nunmal den Mund zu halten. So sind die Spielregeln. Damit kann ich mich abfinden. 

Es könnte aber einiges anders geregelt werden, damit Journalisten diesen wichtigen und thematisch äußerst anspruchsvollen Prozess besser verfolgen können. Die Arbeitsbedingungen sind grenzwertig.   Immerhin geht es um Öffentlichkeit. Zum Privatvergnügen sitzt keiner von uns zweimal pro Woche für mindestens 6 Stunden in dem stickigen Großsaal des Landgerichts Hamburg. 

Laptopverbot

Es ist uns beispielsweise verboten, am Laptop mitzuschreiben, was die Zeugen aussagen, die Richter fragen oder die Verteidiger einwerfen. Elektronisches dürfen nur die Prozessbeteiligten nutzen, also Richter, Verteidiger, Staatsanwälte. Alle anderen im Saal müssen per Hand mitschreiben. Stunde um Stunde. Ich habe schon drei Blöcke vollgeschrieben. Am Ende eines Prozesstages schmerzt meine Hand. Könnte ich am Laptop im 10-Finger-System schreiben, hätte ich keine Schmerzen. 

Das Mitschreiben per Hand hat auch den Nachteil, dass manches Gesagte nicht festgehalten wird. 

Dokumente nicht einsehbar

Dazu kommt, dass im Prozess viele Dokumente und E-Mails zitiert und angesprochen werden. Es sind zentrale Dokumente. Sie liegen aber nur den Prozessbeteiligten vor. Gerade die Verteidiger lesen solche Dokumente sehr schnell vor, sprechen undeutlich, schludern, sind zu weit weg von ihren Mikrofonen. Oder sie legen vor allem E-Mails nur den Zeugen vor, ohne sie zu verlesen und stellen dann Fragen. Sich dann als Prozessbeobachter einen Reim darauf zu machen, ist manchmal fast nicht möglich. 

Bei der komplexen Materie würde ich mir wünschen, dass wichtige Dokumente und E-Mails vorab allen zugänglich gemacht oder sie z.B. an eine Wand projiziert werden.

Öffentlichkeit wirklich erwünscht?

Auf mich wirken diese Arbeitsbedingungen für Journalisten, als wolle man lieber unter sich bleiben und als sei eine umfassende und faktische Berichterstattung für die Öffentlichkeit nicht wirklich erwünscht.

Das wird metaphorisch auch schon am Eingang des Gerichts deutlich. Journalisten müssen sich wie Besucher, Neugierige und Angeklagte an der Einlasskontrolle anstellen. Schöffen und Zeugen werden immerhin bevorzugt an diesen Schleusen durchgelassen. Staatsanwälte und Richter gehen dagegen durch eine Extratür. Ist viel los, z.B. wegen Bauarbeiten, können bei der Einlasskontrolle schon mal 20 Minuten draufgehen. 20 Minuten, die ich als Vertreterin der Öffentlichkeit in der Schlange stehe, als den Worten der Zeugen und des Gerichts zuzuhören. 

 

Anmerkung:
Der Bericht erschien zuvor in einer leicht anderen Fassung. Ein aufmerksamer Lesers hat mich auf eine Unsauberkeit hingewiesen. Danke dafür.

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