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Ex-HSH-Vorstandschef Hans Berger weist jede Mitschuld zurück.

29 Juli 2013

Als erster hat der frühere Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank Hans Berger auf die Vorwürfe der Anklage gegen ihn und seine früheren fünf Kollegen geantwortet. 

Hans Berger weist Mitschuld an HSH Pleite zurück

Hans Berger, Ex-Vorstandschef, im Hamburger Strafjustizgebäude

Berger hatte das, was er der Strafkammer sagen wollte, schriftlich ausgearbeitet und es vorgelesen. Eine halbe Stunde brauchte er dazu. Seine Stimme wirkte brüchig.

In 7 Akten, oder Argumenten, wies Berger jegliche Mitschuld und Verantwortung für das Geschäft Omega 55 und im Grunde auch für die desaströse Lage der Landesbank 2008 zurück. Welche Verantwortlung ein Vorstandsvorsitzender seiner Meinung nach hat, darauf ging Berger nicht ein.

Schwieriges Umfeld

Als erstes erkärte Berger dem Gericht die geschäftspolitischen Herausforderungen der Bank seit der Fusion der Landesbanken in Hamburg und Kiel im Juni 2003 zur HSH Nordbank bis zu Bergers Rücktritt Ende 2008. Die Politiker haben für 2008 den Börsengang gewollt. Und das hieß für die Vorstände: die Bank mußte viel Geld verdienen — was vor allem über riskante Geschäfte geht — , aber sie sollte wenig eigenes Kapital dafür einsetzen. Dass das nicht schon aus aufsichtsrechtlichen Gründen nicht geht, ist eigentlich klar. Also versuchte der Vorstand Ende 2007 vieles, um das Eigenkapital wieder zu stärken, und dazu gehörte auch Omega 55. Dazu kam, dass seit Mitte 2007 die Vorläufer der Finanzkrise bereits nach der Bank griffen.

Nicht an Boni gedacht

Mit leicht bebender Stimme fügte Berger an: „Der Vorwurf, der Vorstand habe persönliche Ziele verfolgen wollen, sei völlig inakzeptabel.“

Unbeteiligt

Berger ging dann auf das Finanzgeschäft direkt ein. Er sagte, „Ich war in keiner Weise an den Vorbereitungen von Omega 55 beteiligt.“ Das sei Sache von Kapitalmarktvorstand Joachim Friedrich und dem Ressortvorstand Peter Rieck gewesen, aus dessen Immobilien-Sparte Kredite aus der Bilanz mithilfe von Omega 55 teilweise ausgelagert wurden.

Von Nebenabreden nichts gewußt

Des weiteren sei er nicht über wesentliche Absprachen mit der BNP Paribas, mit der Omega 55 abgeschlossen wurde, informiert gewesen. Den Brief, in dem alle Nebenabreden geständen hätten, kannte er nicht, den „side letter“. In diesem Brief aber hatte die BNP Paribas entscheidende Bedingungen für den Deal gestellt. 

Nach internen Vorgaben gehandelt

Berger habe sich zudem an interne Vorgaben für solche Geschäfte gehalten. Danach sieht die „Kompetenzrichtlinie“ der Bank vor, dass bei Eilbeschlüssen — und Omega 55 war von Peter Rieck als Eilbeschluss ausgegeben worden — zwei Vorstandsunterschriften genügten, damit der Beschluss Rechtskraft erhält. Seine Unterschrift für die Freigabe des Geschäfts sei also gar nicht mehr nötig gewesen, sagte Berger. Denn vor ihm hatten bereits Peter Rieck und Risikovorstand Hartmut Strauß unterschrieben. Seine Unterschrift will Berger dann auch nur alszur Kenntnisnahme“ verstanden wissen, nicht mehr. Er habe Omega 55 geprüft und für aufsichtsrechtlich in Ordnung befunden.

Hans Berger sagte auch, er konnte nicht sehen, dass die Risiken, die die BNP Paribas im Teil-A der HSH Nordbank abnimmt in Teil-B wieder von der HSH zurückgenommen werden sollten. Für ihn sah es so aus, als seien die Risiken zwischen den Banken verteilt.

Deshalb habe er das Risiko des Teil-Bs von Omega auch als „vertretbar“ wahrgenommen. 

Börsengang ahoi

Bei seinem gesamten Handeln bei Omega 55 habe sich Berger „von der Geschäftspolitik der Bank leiten lassen“. Und die hieß bekanntlich: hübsch machen für den Börsengang.

 

FAZIT:  Hans Berger, der als Vorstandsvorsitzende  der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, war unbeteiligt an Omega 55, hat intern alles richtig gemacht, hat zur Kenntnis genommen, sich verlassen und Vorgaben der Politik umgesetzt.

Selbstreflektion hat Hans Berger am 2. Prozesstag nicht gezeigt.

Was die anderen Vorstände am 2. Prozesstag gesagt haben lesen Sie HIER: Keiner ist Schuld.

 

Presseschau:  Und das haben KollegInnen geschrieben: 

SZ: HSH-Prozess: Spitzenbanker attackieren Staatsanwälte
n-tv: Ex-HSH-Chef lehnt Verantwortung ab

 

Foto: Dani Parthum

 

Ein Kommentar Auch mitreden →
  1. bescheidwisser permalink
    31. Juli 2013 @ 10:50

    Die Vermutung, dass Herr Berger nur zu gerne der erste Vorstandschef gewesen wäre, der eine Landesbank an die Börse bringt, liegt mE sehr nahe – und das wäre ja sicher auch mit persönlichen Vorteilen für ihn verbunden gewesen.

    Wenn bei der Bearbeitung des Geschäfts eklantate Versäumnisse vorgekommen sind, dann trifft den Gesamtvorstand zumindest ein „Organisationsverschulden“, denn er ist für die Einrichtung des ordnungsgemäßen Geschäftsbetriebes zuständig und dafür verantwortlich.

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