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KPMG-Wirtschaftsprüfer über die HSH: „Die Bank war schlicht überfordert.“

29 April 2014

Das war schon starker Tobak, den die Prozessbeteiligten von den Wirtschaftsprüfern der Prüfgesellschaft KPMG, Niels M. und Michael K., zu hören bekamen. KPMG war 2008 erstmals von der HSH Nordbank beauftragt worden, ab November den Jahresabschluss 2008 zu prüfen. Diese „normale Abschlussprüfung“ wurde später vom Aufsichtsrat der Landesbank erweitert zu einem umfassenden Gutachten über den Zustand der Bank. Am End…


Das war schon starker Tobak, den die Prozessbeteiligten von den Wirtschaftsprüfern der Prüfgesellschaft KPMG, Niels M. und Michael K., zu hören bekamen. 

KPMG war 2008 erstmals von der HSH Nordbank beauftragt worden, ab November den Jahresabschluss 2008 zu prüfen. Diese „normale Abschlussprüfung“ wurde später vom Aufsichtsrat der Landesbank erweitert zu einem umfassenden Gutachten über den Zustand der Bank. Am Ende stand ein mehr als tausend Seiten umfassendes Gutachten. 

Der 47-jährige Wirtschaftsprüfer Niels M. hatte die „Letztverantwortung“ für die Abschlussprüfung des Jahres 2008 und unterschrieb den Bestätigungsvermerk im Geschäftsbericht gemeinsam mit seinem Kollegen Michael K.

Niels M. und Michael K. waren auf Antrag der Verteidigung von Dirk Jens Nonnenmacher geladen worden. Den Widerspruch der Verteidigung von Bernhard Visker, die Prüfer nicht zu hören, hatte das Gericht kurz vorher abgelehnt.

Omega 55 falsch gebucht und nicht überwacht 

Und so erzählte Wirtschaftsprüfer Niels M., der zuerst dran war, dass er im November 2008 mit einer normalen Abschlussprüfung begann, die wenig später durch ein Gespräch mit Dirk Jens Nonnenmacher zu einer erweiterten Prüfung wurde. Nonnenmacher war Mitte November 2008 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt worden. 

Nonnemacher habe ihn darüber informiert, es gebe ein „großes Bewertungsthema“ in der Bank und er werde sie unverzüglich informieren, sobald er mehr darüber weiß. Bei de…
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6 Kommentare Auch mitreden →
  1. bescheidwisser permalink
    5. Mai 2014 @ 21:32

    Die Aufnahme von Omega 55 als normalen Kredit mit 400 Millionen „in die Bücher“ bedeutet, dass die ganzen Berechnungen, die Prof. Hellmich für die Bestimmung des Wertes der Transaktion vorgenommen hat – und die ja offenbar zu laufenden Schwankungen des Wertes geführt hätten -, für die Darstellung der Transaktion innerhalb der HSH Nordbank keine Rolle gespielt haben. Ein laufendes Risikomanagement kann so nicht möglich gewesen sein.

    • 6. Mai 2014 @ 7:51

      Ein „laufendes“ Risikomanagement war nicht möglich bzw. wurde nicht gemacht bei Teil-B von Omega, der Verbriefung. Dazu hätte sie im „Credit Investment Portfolio“ CIP gebucht werden müssen. War sie aber nicht, haben die Prüfer von KPMG erklärt und auch Zeugen vorher.
      Warum Teil-B nicht im CIP gebucht war? Auf diese Frage hat am 16. Verhandlungstag die Zeugin Sirka H. eine mögliche Erklärung gegeben.

      Die Zeugin hatte erzählte, dass gewöhnlich die Marktbereiche, die ein Geschäft ankurbeln, dieses Geschäft in die Bankbücher „einbuchen“. Bei der Financial Institutional Group (FIG) in London ging das aber nicht, weil sie IT-technisch dafür (noch) nicht ausgestattet war. Die FIG als Teil der Kapitalmarktsparte aber hatte Omega 55 ausgeheckt, also hätten sie es einbuchen müssen. Weil London dazu nicht in der Lage war, berichtet die Zeugin, hätte NPNM KollegInnen in Hamburg suchen müssen, HändlerInnen, die Omega 55 erfassen, damit es gebucht werden kann. In Hamburg aber sitzen Kredit-Händler. Diese Händler kannten aber Strukturen wie Teil-B von Omega 55 nicht. Vielleicht wurde deswegen Omega als „Kredit“ eingebucht, als „loans and receivables“, statt als das, was es war, als Derivat und Total Return Swap.
      Das wäre zumindest eine plausible Erklärung.

  2. Bescheidwsser permalink
    11. Mai 2014 @ 14:26

    Wenn die Zeugin Sirka H. das so ausgesagt hat, dann ist es zumindest nicht schlüssig.

    Aus dem Bericht des Untersuchungsausschuss des Landtages in Schleswig-Holstein:

    „2007 wurde die FIG London massiv ausgebaut. Einzelne Aspekte der Neuausrichtung der Financial Institution Group hat FIG London in einer Präsentation zusammengefasst, die dem Vorstand in persona von Herrn Friedrich im Juni 2007 und dem Gesamtvorstand auf einem Vorstandsworkshop am 15.04.2008 in London vorgestellt wurde. Der Vorstand hat die entsprechende Präsentation zustimmend zur Kenntnis genommen. ‚Die Entscheidung für die Umstrukturierung und Neuausrichtung von FIG London ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil sie eine erneute Fragmentierung des Kreditersatzgeschäftes mit sich brachte. Wie aus der Präsentation ersichtlich, sollten nämlich strukturierte Wertpapiere nunmehr auch von FIG London angekauft, betreut und vertrieben werden. Die geplante Umorientierung von der FIG wurde bei den beiden Omega-Transaktionen alsbald in die Tat umgesetzt.'“

    Die Niederlassung in London wurde also während des Jahres 2007 für den Handel mit strukturierten Wertpapieren ausgebaut und trotzdem nicht mit den dafür notwendigen Equipment ausgestattet?

    Das in London sicher der eine oder andere Mitarbeiter saß, der genau wusste das ein STCDO nicht als normaler Kredit in die Bücher genommen wird, lässt sich anhand der Vita des Herrn Luis Marti-Sanchez (damals immerhin der stellvertretender General Manager der London Branch der HSH Nordbank) erahnen.

    • 11. Mai 2014 @ 16:00

      Auch wenn London 2007 massiv ausgebaut worden ist, bedeutet das nicht, dass auch die gesamte IT schnell ausgebaut wurde. Mitarbeiter der Bank hatten bei meinen Recherchen ähnliches berichtet: nicht nur innerhalb der fusionierten beiden Banken gab es immer noch IT-Probleme. Vor allem die Datenkommunikation zu den Niederlassungen u.a. zu London hakte. Deswegen ist die Aussage der Zeugin Sirka H. für mich schon schlüssig. Sie passt zu meinen früheren Rechercheergebnissen.

  3. Bescheidwsser permalink
    12. Mai 2014 @ 19:39

    Tja…ich habe mir noch mal die anderen Einträge im Blog zu den Aussagen der Zeugin Sirka H. durchgelesen…Bei der Betrachtung der Zeugenaussagen sollte man mE nicht vergessen, dass nicht nur die Herren auf der Anklagebank sondern ggf. auch die Personen im Zeugenstand ein Interesse daran haben, ihre damalige Rolle in dem Debakel in einem möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen.

    • 13. Mai 2014 @ 10:37

      Sie sprechen etwas Wichtiges an. Auch wenn die Zeugen vor einem Strafgericht die Wahrheit sagen müssen, verfolgen sie freilich eigene Interessen, wollen sich (und sicher auch andere) schützen. Das ist gerade bei manchen wichtigen Zeugen deutlich geworden. Sirka H. gehört vielleicht dazu, auch der Leiter der Rechtsabteilung Gössmann hinterließ bei mir diesen Eindruck. Er konnte/wollte sich an so vieles Wesentliche nicht erinnern.

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