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Lug und Trug: Die HSH, ihre Eigentümer und das große Geld (der Steuerzahler)

11 Mai 2016
von Dani Parthum

Es passt zum bisherigen Auftreten der HSH Nordbank und den Haupteigentümern, den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, wie sich der Wechsel des Vorstandsvorsitzenden der HSH vollzieht. Erst wird der Eindruck stehen gelassen, er ziehe sich freiwillig zurück. Obwohl das nicht stimmt, wie jetzt eine Mitteilung der HSH Nordbank zeigt.     

Berichte um einen freiwilligen Rücktritt

Das manager-magazin hatte Ende März berichtet, dass der Noch-Vorstandschef der HSH, Constantin von Oesterreich, den Aufsichtsrat „um die Aufhebung“ seines bis Oktober 2017 laufenden Vertrages „gebeten“ haben soll. Eine offizielle Pressemitteilung oder einen Kommentar von Seiten der Bank gab es nicht, ebenso wenig von den Haupteigentümern.

Wie das Magazin aus HSH-Aufsichtsratskreisen erfahren haben wollte, hatte von Oesterreich seinen Entschluss zum Rückzug in der Woche vor Ostern dem Aufsichtsrat damit begründet, …

„… dass er die Bank durch EZB-Stresstest und EU-Verfahren gelotst habe, er demnächst 63 Jahre alt werde und für die Phase der Privatisierung nun mit Ermisch ein exzellenter neuer Lenker bereit stehe. Zudem kritisierte er, sich durch die Eigentümer der Bank nicht immer fair behandelt gefühlt zu haben.“

Dazu der goldene Fast-Million-Handschlag

Im Hamburger Abendblatt wurde wenig später berichtet, der Noch-Vorstandschef werde alle seine Bezüge erhalten, bis Oktober 2017, dazu Pensionsansprüche. Addiert ergebe das eine geschätzte Summe von rund 900.000 Euro.

Die öffentliche Aufregung war entsprechend. Denn die HSH lebt nur noch, weil die Steuerzahler sie mit Milliarden stützen. Sicher ist auch, dass die Landesbank die 10 Milliarden-Garantie der Länder vollständig einlösen wird, auf Kosten der Steuerzahler also, wobei es bei Verlusten von 10-Milliarden nicht bleiben wird. Da schlägt freilich ein Lohn für’s „Nichtstun“ und „Selbstgehen“  in dieser Höhe denjenigen, die es zahlen müssen, auf den Magen.

Von Oesterreich hat auf diese Kritik ganz offensichtlich reagiert.

Doch kein freiwilliger Rücktritt

Denn jetzt berichtet das Abendblatt etwas gänzlich anderes: Von Oesterreich gehe gar nicht freiwillig, sondern auf Druck der Länder. Intern soll er klargestellt haben, dass er „keinesfalls von sich aus kündige und daher auch auf keinerlei Ansprüche verzichte.“ So soll er es im Aufsichtsrat mit juristischem Beistand erklärt haben.

Bei der HSH Nordbank las sich das dann vor zwei Tagen so:

„Constantin von Oesterreich (63) legt im Wissen um den entsprechenden Wunsch des Aufsichtsrates den Vorstandsvorsitz einvernehmlich zum 10. Juni nieder. Dabei bleiben seine vertraglichen Ansprüche gewahrt.“

Er geht also nicht freiwillig, sondern „im Wissen um den entsprechenden Wunsch des Aufsichtsrates“, und erhält weiterhin sein Vorstandsgehalt (von ca. 500.000 € pro Jahr) plus Pensionsansprüche. In welcher Höhe legt die HSH nicht offen.

An seine Stelle tritt Stefan Ermisch, bisher Finanzvorstand und Vize-Vorstandschef. Ermisch soll im Zuge der Diskussion um von Oesterreich in der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Montag eines gleich klargestellt haben – wie das Abendblatt berichtet: Er verzichte auf einen Bonus von 300.000 Euro, wenn er es schaffen sollte, die HSH Nordbank 2018 erfolgreich zu privatisieren. Das nämlich hatten die Länder angedacht (!). Ermisch brauche nach eigenen Worten keine zusätzliche Motivationshilfe. Das jedenfalls sind neue Töne aus der HSH Nordbank. Sie klingen nach Gewissen, Stil und Durchblick. Gut für den Start als Vorstandschef.

Wenngleich Ermisch sich mit einer solchen Aussagen womöglich leicht tut, weiß er doch, wie schwer es in der derzeitigen Marktlage ist, eine Bank mit so viel Ballast wie die HSH Nordbank zu privatisieren — ob über einen Börsengang oder durch einen Verkauf an einen strategischen Investor aus dem In- oder Ausland.

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