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Zukunft der HSH: „Ich gebe der Bank keine Überlebenschance.“

14 Juli 2015
von Dani Parthum

Keine große Überlebenschance räumt Volkswirt Rudolf Hickel, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen, der HSH Nordbank ein – in einem Interview mit dem NDR Kiel, geführt im Juni. Er antwortete auf die Frage, was mit der HSH werden soll.

Seine Einschätzung zur Zukunft der HSH begründete der Finanzwissenschaftler so: Wenn man mittelfristig überlege, wie viele Banken, vor allem Landesbanken, in Deutschland gebraucht würden, dann habe diese Bank nach keine Überlebenschance. Deshalb müsse jetzt, so Hickel, eine Diskussion darüber geführt werden, ob die HSH Nordbank so und wenn ja, in welcher Form, weitergeführt werden soll.

Drei Zukunfts-Szenarien für HSH

Rudolf Hickel skizziert in dem Interview drei Möglichkeiten, wie seiner Ansicht nach die Zukunft der HSH Nordbank aussehen könnte. Erstens könne es zu einer Abwicklung kommen, so wie es die Regeln der europöäischen Bankenunion vorsehen. Das laufe dann so ähnlich wie mit der Westdeutschen Landesbank. Die zweite Möglichkeit wäre, so Hickel, die HSH Nordbank auf zwei Bankregionen aufzuspalten, eine in Hamburg und eine in Kiel. Diesem Weg aber gebe er keine große Chance. Das dritte Modell wäre schlichtweg eine Fusion, z.B. mit der Nord LB.

Aber das höre zurzeit niemand gern, weder in Niedersachen, noch in Bremen, noch in Hamburg und Schleswig-Holstein, sagte Hickel. Denn für eine Fusion müsste die HSH Nordbank sich von allen verlustgefährdeten Krediten, Wertpapieren und Beteiligungen in der so genannten Restructuring Unit (der internen Abwicklungseinheit) trennen, denn das könne dem Fusionierenden nicht zugemutet werden, das zu übernehmen, so Prof. Hickel.

Wo aber blieben die Verlustbringer in der HSH-Abwicklungseinheit in Höhe von etwa 35 Milliarden Euro (plus möglicherweise die ausfallgefährdeten Schiffskredite in Höhe von 12 Milliarden Euro aus der Kernbank)?

Sie könnten von den derzeitigen Haupteignern der HSH, den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, zum Beispiel über einen Abwicklungsfonds der HSH abgenommen, also abgekauft werden. Das wäre die bereits diskutierte „Bad Bank“-Lösung.

Dieser dritte Weg, Fusion mit Abwicklungsfonds (Bad Bank), wäre möglicherweise die beste Strategie, so Ökonom Hickel gegenüber dem NDR Kiel. Die beste Strategie für die Bank, aber auch die beste für die Steuerzahler?

Steuerzahler werden auf jeden Fall belastet

Denn wer bezahlt die auf die Bad-Bank-Ausgründung sicherlich folgende Abwicklung der HSH – oder Fusion? Das wären natürlich zuerst die Eigentümer, bei der HSH Nordbank also vor allem die beiden Nordländer (zu 85,4%), dazu der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein  (zu 5,3%) und der Finanzinvestor J.C. Flowers (zu 9,3%).

Seit der Fusion zur HSH Nordbank 2003 haben die beiden Nord-Länder rund 8 Milliarden Euro als Eigenkapital in die HSH investiert, dazu garantieren sie für 10 Milliarden an möglichen Verlusten, von denen schon heute mit hoher Sicherheit rund 4 Milliarden anfallen werden.

Muss Bund helfen?

Wie teuer es am Ende wird, kann aber niemand vorhersagen. Dass die Steuerzahler den größten Teil der Zeche der Nordbanker, der sie kontrollierenden Politiker, Aufsichtsräte und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aber begleichen müssen, das steht fest.

Volkswirt Rudolf Hickel rechnet auf jeden Fall mit einer Belastung, womöglich sogar mit einer erneuten Hilfe des Finanzmarktstabilisierungsfonds, sollte die HSH abgewickelt werden.

 

 

Das Interview haben mir die Kollegen des NDR Kiel zur Verfügung gestellt. Teile davon wurden im Fernsehbericht von P. Baab, E. Lüthje und J. Schumacher im Schleswig-Holstein-Magazin vom 24.6.2015 gesendet. Siehe: HSH Nordbank: Eine Bank am Abgrund

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