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Prolog: Prozess gegen frühere HSH Vorstände.

24 Juli 2013

Die Strafanzeige.

Alles begann mit der Strafanzeige des Hamburger Rechtsanwalts Gerhard Strate gegen die HSH Vorstände, die die Bank im Jahr 2007 führten. Er schickte die Anzeige am 31. März 2009 an die Oberstaatsanwaltschaft des Landgerichtes Hamburg. Sein Vorwurf: Verdacht auf gemeinschaftliche Untreue in einem besonders schweren Fall Ende 2007.

Seit Mittwoch dem 24. Juli 2013, mehr als vier Jahre später, stehen sechs Männer vor Gericht. Sie arbeiten nicht mehr für die HSH Nordbank, wurden pensioniert, traten zurück, kündigten oder die Bank hat sich per Aufhebungsvertrag von ihnen getrennt. Keiner von ihnen arbeitet wieder als Banker.

Es sind:

Hans Berger, 63 (Vorstandsvorsitzender von 1996-2008, Rücktritt, heute pensioniert)
Hartmut Strauß, 64 (damals Risikovorstand, aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden, heute pensioniert)
Peter Werner Rieck, 60 (damals Vorstand für die Immobiliensparte, abberufen 2009, heute eigene Beraterfirma RPR HanseCorp GmbH)
Joachim Friedrich, 49 (damals Kapitalmarktvorstand, entlassen 2009, heute nach eigenen Angaben freiberuflicher Unternehmensberater)
Dirk Jens Nonnenmacher, 50 (damals Finanzvorstand, entlassen mit 4-Millionenabfindung 2011, heute Berater)
Bernhard Visker, 47 (damals Vorstand für Firmenkunden, kündigte 2011, heute Geschäftsführer Münchner ABG Unternehmensgruppe ) 

 Bildergalerie der Wirtschaftswoche zu den Vorständen

Der Vorwurf gegen die HSH Vorstände.

Er bezieht sich auf ein Geschäft, das die sechs Banker Ende Dezember 2007 mit der französischen Bank BNP Paribas abgeschlossen haben, auf ihre Initiative hin. Das so genannte Omega-55-Geschäft. Die HSH Vorstände standen zu dieser Zeit mächtig unter Druck. Sie sollten die Nordbank als erste Landesbank an die Börse bringen. So hatten sich das die Eigentümerinnen der Bank vorgestellt, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie wollten schlicht ihre Anteile an der Bank in Geld umsetzen, um ihre desolaten Haushalte aufzubessern.

Aber die ersten Ausläufer der heraufziehenden Finanzkrise zogen Millionenverluste in der Bank nach sich. Dabei mußte sie gut dastehen, finanzkräftig — für die Ratingagenturen und mögliche Investoren. Das Eigenkapital der HSH war aber bereits angegriffen. Die HSH Vorstände suchten nach einer Lösung. Sie gaben das Omega 55 Konstrukt bei ihren Mitarbeitern in London in Auftrag, ein höchst kompliziertes Finanzgeschäft. Mit Omega 55 war zwar kaum Geld zu verdienen, aber es ließ die Landesbank Ende 2007 nach außen hin solider und finanzkräftiger dastehen, als sie es noch war.

Das Finanzgeschäft.

Und obwohl dieses Finanzgeschäft extrem umfangreich und komplex war, allein der Vertrag soll 700 (!) Seiten gezählt haben, unterschrieben die sechs erfahrenen Banker (Nonnenmacher ist zudem Mathemathikprofessor!) den  internen Schriftsatz in einem „Eilverfahren“ — jeder Vorstand für sich, ohne miteinander geredet, ohne gründlich geprüft und die Warnungen der Mitarbeiter wahrgenommen zu haben, so stellt es sich für Staatsanwalt Karsten Wegerich dar. Schwere Untreue sei das, durch vorsätzliches, grob pflichtwidriges Verhalten, sagt Staatsanwalt Wegerich.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft den Ex-HSH-Vorständen Joachim Friedrich, Kapitalmarktvorstand, und Dirk Jens Nonnenmacher, Finanzvorstand, Bilanzfälschung vor. Sie sollen einen Teil des komplizierten Geschäfts im Rechnungswesen falsch eingeordnet haben. Das hat dazu geführt, dass die HSH Nordbank im ersten Halbjahr 2008 einen Gewinn ausweisen konnte, obwohl dort hätte ein Verlust stehen müssen. Omega 55 wurde 2010 von der HSH Nordbank aufgelöst, sprich: gekündigt.

Worum es letztlich juristisch geht.

Es geht vor dem Strafgericht um die Frage: Wo verläuft bei höchst komplexen Unternehmensentscheidungen die Grenze zwischen riskant aber überschaubar und zu riskant und pflichtwidrig. Diese Frage will der Vorsitzende Richter am Landgericht Hamburg, Dr. Marc Tully, in diesem Prozess klären.

Das arbeiten die früheren HSH Vorstände heute

Sven Clausen und Sebastian Jost von der „Welt“ haben nachgeforscht, was die Angeklagten heute machen. Denn alle sechs wurden entweder in den Ruhestand oder per Aufhebungsvertrag entlassen. „Nur einer ist wieder Banker“ überschrieben die Journalisten ihre Recherche. 

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