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So gehen die Milliarden dahin: Schiffe schon 340 Millionen weniger Wert

23 Dezember 2016
von Dani Parthum

Am besten, Sie gewöhnen sich an diese Nachrichten. An die, die aus der Schiffs-Abwicklungseinheit der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein hsh portfoliomanagement AöR herauströpfeln. Wie aus einem rostigen Eimer.

Es werden keine guten Nachrichten sein, sondern genau solche, wie die, die die portfoliomanagent (poma) jetzt verbreitet hat. Dass nämlich der Wert der Schiffe, die die Abwicklungseinheit von der HSH für 2,4 Milliarden Euro gekauft hat, gefallen ist. Um etwa 340 Millionen Euro. Nicht ein paar Millionen, sondern gleich um 340 Millionen.

„Schwerstbeschädigt“

Verwundert Sie das? Vor allem die entscheidenden Politiker und Banker kann das nicht verwundern. Sie selbst sprechen in Sitzungen von „schwerstbeschädigten Krediten„. Was soll schon aus so etwas werden – außer Verlustbringern?

Der letzte Bewertungstermin der Schiffe jedenfalls datiert auf den 31.12.2015. Zu diesem Stichtag sahen sich laut Kieler Landtag die Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers die Containerriesen, Tanker und Bulker an – und gaben ihnen einen Wert. Wie zuvor die Prüfer der EU-Kommission. PriceWaterhouseCoopers bestätigte den Ansatz der Kommission. Deshalb durfte an die Länder verkauft werden.

Alles supergeheim – wie immer

Das Gutachten von PriceWaterhouseCooper ist dabei nicht öffentlich. Wie alle wesentlichen Dokumente in der Affäre „HSH Nordbank – von der Vorzeigebank zum Finanzwrack“. Die Behauptungen der Beteiligten bleiben damit auch im Jahr 8 der Krise für die Öffentlichkeit nicht nachprüfbar, obwohl sie es ist, die die Rechnung der HSH-Verluste begleicht.

Die poma soll nun zum 30. September 2016 eine Risikovorsorge gebildet haben. Höhe: 431 Millionen Euro. Das (Steuer)Geld kann getrost als futsch eingestuft werden. Oder wie ein Kollege schrieb: Wie sich Steuergelder pulverisieren.

… Rechnen wir das Desaster für die beiden Nordländer einmal hoch.

Verlustprognose I: 13 Milliarden Euro

Eine Verlustprognose hatte im Juli 2016 Prof. Peter Nippel von der Universität Kiel veröffentlicht. Er kam im schlechtesten Fall, im „worst case“, auf einen Verlust für die Länder von zusammen rd. 13 Milliarden Euro.

Prof. Nippel rechnet wie folgt:

- 6.500 Mio  :10 Mrd.Garantie, abzüglich Garantiegebühren
- 2.350 Mio  :übertragenes Schiffsportfolio in die poma
-   860 Mio  :geschätzte Finanzierungs- und Verwaltungskosten
- 3.500 Mio  :Wertverlust der HSH-Beteiligung
              =3,5 Mrd. Kapitalspritze 2009/2012
              wurde von den Ländern auf "0" abgeschrieben 
              gehalten von der hsh finfo
-----------------------------------------------
= 13.210 Mio  :Verlust für die Länder

 

Verlustprognose II:  30+ Milliarden Euro

Zu dem Ergebnis von Prof. Nippel rechne ich noch diese Bestandteile dazu. Gerundete, geschätzte Daten. Worst, worst Case:

- 13.210 Mio :Verlust Prof. Nippel, 10 Mrd. Garantie verbraucht
- 13.500 Mio :Non-Perfoming-Exposure der Abbaubank (rd.62%)
              (= Bestand an Krediten ausgefallener ! Schuldner)
              teils über Garantie gedeckt, aber wie, ist 
              nicht nachvollziehbar
-  5.700 Mio :Kapitaleinsatz durch Länder für HSH vor/nach Fusion
              (ohne 3,5 Mrd. Kapitalspritze 2009/12)
              zuzüglich Kreditzinsen, abzüglich Dividenden
-------------------------------------------------
= 32.410 Mio  :Verlust für die Länder

Gegen diesen potentiellen Mega-Verlust könnten die Nordländer noch den Kaufpreis für die HSH-Kernbank rechnen. Experten gehen allerdings in diesem Fall nicht von einem namhaften Betrag aus bzw. enormen Zugeständnissen seitens der Länder an eine strategische Käufergruppe.

Wenn sich die Kernbank überhaupt als Ganzes verkaufen lässt! Wenn nicht, wird auch sie abgewickelt. Und die Abbaubank siecht vor sich hin. Abschlussrechnung inklusive – in 5, 10 bzw. 15 Jahren?

Haftendes Kapital der HSH Nordbank 2016

Haftendes Kapital der HSH 2016, Investorenpräsentation


Möglich wäre freilich auch, von den Alt-Gläubigern der HSH einen Schuldenschnitt einzufordern. Und die Stillen Einlagen (2 Mrd.) bzw. das Nachrangkapital (2,1 Mrd.) der HSH heranzuziehen, um die Verluste der Länder zu senken. So geht eigentlich Marktwirtschaft. Wer ins Risiko geht und profititiert, hängt auch mit drin, wenn es schiefgeht. Eigentlich.

Das Milliardengrab

So oder so: 13 Milliarden Euro sind für mich als Verlust gesetzt, dazu die 5,7 Milliarden, die die Länder als (Netto)Kapital in ihre Landesbanken gesteckt hatten, vor dem Crash 2008. Denn dieses Kapital erhalten sie nicht mehr zurück. Wie auch? Macht zusammen rund 19 Milliarden Euro, die die Nordländer als Kredite aufgenommen haben und noch aufnehmen werden. Für ihre HSH. 19 Milliarden.

Als vorsichtige Kauffrau würde ich dazu allerdings noch 30 % des Bodensatzes des Bestandes der Abbaubank kalkulieren – wären bei 22 Milliarden Bilanzsumme (2016)  rd. 6,5 Milliarden. Es wird nicht besser. Beschönigungen helfen aber nicht.

25 Milliarden = 25.000 Millionen = 25.000.000.000

Ergibt unter dem Strich also abgerundet 25 Tausend Millionen Verlust, die die Länder und ihre Einwohner in einem worst case scenario zu tragen hätten. Oder 25 Milliarden. Und wenn es ganz mies läuft, könnten sich weitere Milliarden summieren. Je nachdem, wie sich die Schiffs- und Immobilienmärkte entwickeln, wie klug die Abwickler agieren und die Politik Verantwortliche finanziell an den Verlusten beteiligt. Prognosen haftet zwar immer Willkür an. Im Fall der HSH aber liegen die Größenordnungen auf der Hand.

Unvorstellbar hohe Summen mit nicht absehbaren Folgen.

Der durchschnittliche Jahres-Bruttolohn einer/s Angestellten beträgt zum Vergleich ca. 33.000 Euro. Von 25 Tausend Millionen Euro könnten 17.000 Menschen 45 Jahre lang leben.

Der Großteil des Verlustausgleichs für die HSH Nordbank wird sich als Neuverschuldung zuerst in den Abwicklungseinheiten der Länder und wohl der HSH-Holding ansammeln und sich spätestens nach Auflösung dieser auf die Haushalte durchschlagen – über die zu zahlenden Kreditzinsen und Tilgungen.

HSH-Verluste längst Haushaltsrelevant

Ein Teil der sicher eintretenden Verluste liegt längst den Länder-Haushalten auf der Tasche. Allein das Kapital (und die stillen Einlagen) der beiden Landesbanken vor der Fusion finanzierten die Länder überwiegend über Kredite. Das tun sie größtenteils bis heute. Und dafür fallend laufend Zinsen an.

 

2 Kommentare Auch mitreden →
  1. markus permalink
    25. Dezember 2016 @ 19:38

    Ach Herrje.
    Es ergeben sich fast 3000 Euro durchschnittlicher Verlust pro Landesbürger!
    (Ich gehe von der ersten Verlustprognose mit 13 Milliarden aus. Teilt man die Summe durch die Einwohnerzahl von Hamburg und Schleswig Holstein kommt man auf 2871 Euro.)
    Euch einen besinnlichen zweiten Weihnachtstag!
    Markus

  2. Oberham permalink
    4. Januar 2017 @ 14:40

    Ich bin aus Bayern, wir hatten das Umverteilungsspiel (und nichts anderes wird hier praktiziert) in ähnlicher Art und Weise mit der BayLaBa, wobei auch hier getrickst, gelogen und zu Gunsten von Einzelpersonen Millionenbeträge, zu Gunsten des Nepotenklüngels hohe zweistellige Milliardenbeträge aus den Taschen der „gewöhnlichen“ Menschen gezogen wurden – und noch immer werden.

    Seit 2007/8 diese Masche selbst im Billionenvolumen, den wirtschaftlichen Ruin von Millionen Familien generierend, durchging, dürften Banken die perfekten Durchgangsschleusen für den Transfer öffentlicher Mittel in die Taschen von Mitgliedern der Menschennützer darstellen.
    Das Beste, wir bezahlen auch noch selber die Politiker, welche Regierungen bilden, die all diese Machenschaften decken und befördern.

    Sie behandeln die Schleusen der Banken – hier die HSH-Nordbank – andere beleuchten die Rüstungsbranche, die Großprojekte der öffentlichen Hand, die Steuervermeidungsgesetze, welche verhindern, das Anteile der Beute zurückfließen – etc. etc. etc.

    Sehen Sie es realistisch – wir sind Stallvieh, Stallvieh, das Glück hat, noch in einem Konsumrassestall zu hausen – andere Nutzmenschen müssen schon heute noch viel, viel elender existieren, um all diese Schleusen, die einzig dem Nutzen einer winzigen Gruppe zugewandt sind, mit ihrer Kraft und ihrem Leben zu bedienen.

    Solange wir nicht aufbegehren, werden Sie nehmen, was immer Sie uns nehmen können!

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