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Verteidigungsstrategie der Ex-HSH-Vorstände: Jeder kämpft für sich.

8 August 2013

Wie wird die Verteidigungsstrategie der Ex-HSH-Vorstände aussehen? Wie werden sie sich gegen den Vorwurf der Untreue stämmen? Auf welche Art werden die Verteidiger ihr Mandanten versuchen rauszuhauen? Diese Fragen haben sich im Vorfeld viele gestellt.

Zum Prozessauftakt haben sich alle sechs Angeklagten — entweder selbst oder über ihre Anwälte — für unschuldig und den Untreuevorwurf als „inakzeptabel“ zurückgewiesen.

Und weiter?   

Nach dem 4. Prozesstag kristiallisieren sich für mich diese Beobachtungen zur Verteidigungsstrategie der Anwälte und ihrer Mandanten heraus:

1. Jeder der Vorstände kämpft für sich.

Die Anwälte scheinen sich nicht kurzgeschlossen und eine gemeinsame Verteidigungslinie zumindest abgesteckt zu haben. Ob das klug ist? 

 

2. Zwei Vorstände haben Verteidiger engagiert, die in Konfrontation zum Gericht gehen, die anderen versuchen es mit Kooperation. 

Bernhard Visker (Ex-Firmenvorstand) und Peter Rieck (Ex-Immobilienvorstand) haben die erfahrenen Verteidiger Gaby Münchalffen und Prof. Norbert Gatzweiler engagiert. Die Anwälte betreiben in Köln eine gemeinsame Kanzlei, sind miteinander verheiratet. Sie sind diejenigen im Prozess, die sichtbar auf Konfrontation zur Strafkammer gehen. 

Frau Münchhalffen stellt fortlaufend Anträge, rügt das Gericht, hakt mit Anmerkungen in Befragungen und Reden des Vorsitzenden Richters ein. Ihr Ehemann Gatzweiler steht ihr darin in nichts nach. Er schließt sich ihren Anträge an — und umgekehert — und hat gleich am Anfang das Gericht mit einer Besetzungsrüge überzogen. Das Verlesen dieser Rüge dauerte allein eine Stunde in einem völlig überhitzten Gerichtssaal.

Beide diskutieren ausgiebig mit dem Gericht selbst Kleinigkeiten in einem — wie ich finde — teils in harschen Ton; Herr Gatzweiler redet auch gern ohne Mikrofon dazwischen, was auf mich unhöflich wirkt, zumal er von anderen einfordert, sie mögen doch bitte laut und deutlich sprechen.

Die Verteidiger von Dirk Nonnenmacher, Joachim Friedrich, Hartmut Strauß und Hans Berger dagegen bemühen sich um einen ausgesprochen höflichen Ton gegenüber der Kammer, sie haben bis jetzt kaum Anträge gestellt, wenn Sie etwas sagen wollen, melden sie sich oder bitten um das Wort. Sie schlagen vor statt zu fordern wie Münchhalffen und Gatzweiler.   

 

3. Die Verteidiger sind sich gegenseitig nicht ganz grün. 

Als die Anwälte Münchhalffen und Gatzweiler am 4. Prozesstag massiv den der Befragung des Zeugen Marc S. zugrundeliegenden englischen Schriftsatz monierten — wegen der Übersetzung, wegen bewertender Fragen, wegen unleserlicher Skizzen … meldete sich der Anwalt von Dirk Jens Nonnenmacher, Heinz Wagner, zu Wort und meinte: 

Er könne die Aufregung um den Schriftsatz jetzt nicht verstehen und er bitte das Gericht doch, mit der Befragung weiter zu machen.

 

… to be continued  … 

2 Kommentare Auch mitreden →
  1. bescheidwisser permalink
    9. August 2013 @ 20:27

    Nun – im Vorstand versammeln sich generell nicht die „fünf Freunde“, sondern es ist eher mE ein Haifischbecken.

    Warum soll sich das ausgerechnet vor Gericht ändern ?

    • 10. August 2013 @ 14:06

      Generell? Wenn das stimmt, wären Vorstände verdammt einsam. Vielleicht sind sie das sogar und deshalb vor allem männlichen Geschlechts.
      Wie auch immer. Man muss ja aber auch nicht befreundet sein mit seinen Vorstandskollegen, es genügt, respektvoll miteinander umzugehen und sich den anderen zuzuwenden im Sinne der und in Verantwortung für die Aufgabe.
      Im Fall der HSH weiß ich aus Recherchen, dass die Vorstände zu ihren „Amtszeiten“ auch nicht viel untereinander geredet und abgestimmt haben. Lernfähigkeit spreche ich aber niemandem ab.
      Und wie man sieht, nach vier Tagen Gericht reden sie ja miteinander — über den Zeugen, die Fragen der Richter etc. Leid schweißt zusammen.

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