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Fast 4 Mrd. € Wertberichtigung in HSH-Bilanz 2015

10 Juni 2016
von Dani Parthum

Die Medienstrategen der HSH Nordbank haben wieder gute Arbeit geleistet. Auf dem Papier für die Presse steht die HSH gut da. Die Pressemitteilung weist einen Gewinn vor Steuern von 450 Millionen Euro aus. Im Vorjahr: 280 Millionen Euro. Transportierte Botschaft: Gewinn 2015 fast verdoppelt! Tatsächlich beträgt der relevante Konzerngewinn nach Steuern 98 Millionen Euro, was erst deutlich später geschrieben steht und was verglichen zu den 160 Millionen Euro von 2014 fast einer Halbierung gleichkommt. Also das Gegenteil dessen, was die Pressemitteilung an Botschaft mitteilt.

Geschäftsbericht als Imagebroschüre

Wenn man dann durch den Geschäftsbericht von 326 (!) Seiten und die Präsentation für die Investoren der HSH blättert, fallen die Abgründe des Instituts ins Auge. Nicht sofort, denn erstmals präsentiert sich die HSH auf den ersten 60 Seiten als moderne, hanseatische „Bank für Unternehmer“. Der Geschäftsbericht als weitere Imagebroschüre. Die wirtschaftlichen Abgründe setzen sich für geübte Leser dann auch den nächsten 220 Seiten nach und nach zusammen. Sie spiegeln sich in Adjektiven wider, die der scheidende Vorstandschef Constantin von Oesterreich bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das Jahr 2015 benutzte: gewaltig, herausfordernd. Ohne sie allerdings wirklich zu benennen.

Nur eine Zahl will ich herauspicken, Geschäftsbericht Seite 205: Risikovorsorge im Kreditgeschäft.

Maximal getuntes Eigenkapital

Unter dieser Bilanzposition Risikovorsorge führt die HSH u.a. die Wertberichtigungen auf Kredite an, die sie 2015 vornehmen musste. Diese Wertberichtigungen auf Kredite summieren sich auf 3,9 Milliarden (!) Euro (2014: 1,5 Mrd.). Die enormen Wertkorrekturen, die sehr wahrscheinlich zu Verlusten werden, seien vor allem bei Schiffskrediten vorgenommen worden, bestätigt auf der Bilanzkonferenz HSH-Vorstandschef in spe Stefan Ermisch auf meine Nachfrage hin.

Länder zahlen ca. 2,6 Mrd. Euro für faule Schiffskredite

In dieser Wertkorrektur versteckt sich die Wertminderung der Schiffskredite, die die HSH Ende Juni an die Länder verkaufen wird, an die hsh portfoliomanagent AöR. So berechnet die HSH auf das zu übertragende ca. 5-Milliarden-Konglomerat an „stink“faulen Schiffskrediten einen Wertabschlag von 2,4 Milliarden Euro (Nebensatz S. 212 Geschäftsbericht). Damit stünde der Kaufpreis für die Länder bei ca. 2,6 Milliarden Euro. Ein Preis, den Ermisch bei der Bilanzpressekonferenz nicht bestätigen wollte. Das habe man mit den Ländern so vereinbart, hieß es. Ein albernes Manöver.

Auch auf das demnächst „am Markt“ zu verkaufende Sammelsurium an Krediten im Buchwert von 3,2 Milliarden Euro – eine weitere Auflage der EU – hat die HSH einen kräftigen Wertabschlag vorgenommen: 730 Millionen Euro. Macht eine „Werthaltigkeit“ des Kreditpools von nur noch 2,4 Milliarden Euro.

Die hohen Wertberichtigungen von fast 4 Milliarden Euro sind ein Indiz dafür, wie es um die HSH wirklich steht und wie die einst wie im Rausch vergebenen (Schifffahrts)Kredite ihr existentiell zusetzen. Die HSH hält weitere 18 Milliarden an Schiffskrediten im Bestand. Wertberichtigungen lassen sich – vereinfacht gesagt – als vorweggenommene, sehr wahrscheinlich eintretende Verluste in der Zukunft bezeichnen. Demzufolge gehen Berichtigungen von Vermögenswerten wie Krediten und Wertpapieren zu Lasten des Eigenkapitals einer Bank.

Um die Größenordnung zu verdeutlichen: Zum Jahresstart 2015 wies die HSH ein Eigenkapital von 4,7 Milliarden Euro aus. Setzt man dagegen pauschal die Wertberichtigung auf Kredite, die 2015 vorgenommen wurden, von 3,9 Milliarden, würden weniger als 1 Milliarde Eigenkapital „übrig“ bleiben – bei einer Bilanzsumme von knapp 100 Milliarden Euro und risikogewichteten Aktiva von rund 40 Milliarden Euro.

Ohne die 10 Milliarden Garantie der Länder Hamburg und Schleswig-Holsteins, die sich die Bank als eine Art Eigenkapital einverleibt, würde die HSH längst ohne nennenswertes, eigenes Kapital dastehen – allein wegen der Wertkorrekturen bei den (Schiffs)Krediten.

Bestandsgefährdung? … !

Die Zahlen stützen den Bericht des NDR Kiel, wonach die Wirtschaftsprüfer der Nordbank, die KPMG, Ende 2015 eine „Bestandsgefährdung“ bei der HSH sahen. Denn der 10-Milliarden-Garantie der Länder stehen Ende 2015 bereits erwartete Verluste in Höhe von 8,1 Milliarden Euro gegenüber. Von der Garantie sind also nur noch 1,9 Milliarden Euro für Verluste „frei“ (Investorenpräsenation S. 48). Jede weitere große Wertberichtigung der Schiffskredite würde den Garantiepuffer weiter abschmelzen und somit das Eigenkapital der HSH belasten.  

Kein Wunder also, dass die HSH und die Politik über Monate hinweg mit der EU-Kommission verhandelten, damit nicht zusätzliche Belastungen für das Eigenkapital fällig werden, wenn die Länder der HSH notleidende Schiffskredite abkaufen – jetzt im Buchwert von 5 Milliarden statt wie ursprünglich mit der EU vereinbart von 6,2 Milliarden. Damit bleiben 1,2 Milliarden der faulsten aller faulen Schiffskredite in der HSH. Ein Spiel auf Zeit, das die Bank eingeht, denn auch diese Kredite werden wertberichtigt werden müssen. Erklärt wurde der Schwenk von 6,2 Milliarden auf 5 Milliarden nicht. Weder von der Bank noch von den Ländern. Von Oesterreich sagte bei der Bilanzpräsenation allerdings so etwas wie: Das sei wirtschaftlich besser für die Bank. Eine Behauptung ohne Erklärung.

Nach HGB-Bilanzierung 100 Mio. Verlust

Auch der Finanzbericht der HSH Nordbank verdient einen Blick. Der Finanzbericht wird nach HGB aufgestellt, also nach den deutschen Rechnungslegungsvorschriften. Der Konzernabschluss im Geschäftsbericht erfolgt nach IFRS, den internationalen Rechnungslegungsvorschriften.

Nach HGB schließt die HSH erneut das Geschäftsjahr mit einem Verlust ab. 2015 sind es 100 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es 312 Millionen Euro Verlust.

—-

Und das schrieben die Kollegen:
Abendblatt: HSH Nordbank verdoppelt Gewinn
DIE WELT: Chefwechsel ohne Aufsehen
Kieler Nachrichten: Land bleibt auf faulen Schiffspapieren sitzen
Spiegel Online: HSH Nordbank schreibt 450 Millionen Euro Vorsteuergewinn

3 Kommentare Auch mitreden →
  1. Winnie permalink
    17. Juni 2016 @ 16:20

    Eins vorneweg;
    Die HSH ist eine BadBank.

    Dennoch sollte der Verfasser des Artikels gelegentlich einen Buchführungskurs belegen.

    Dann wüsste er, dass die vorgenommenen Wertberichtigungen bereits vom Eigenkapital abgezogen sind.

    Die vorgenommene Neu-Berechnung des Eigenkapitals ist fehlerhaft und nicht belastbar.

    • 17. Juni 2016 @ 19:21

      Korrekt.

      Um eine „Neu-Berechnung“ des Eigenkapitals ging es mir aber gar nicht – und ich habe sie auch nicht vorgenommen. Was ich zeigen will sind die Größenordnungen der eingetretenen und erwarteten Verluste allein für 2015.

      Ob die bilanzielle Herleitung des Eigenkapitals im HSH Geschäftsbericht allerdings „belastbar“ und einwandfrei ist, wage ich zu bezweifeln. Wie schrieben Sie so schön: Die HSH ist eine BadBank.

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