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HSH Nordbank zum Halbjahr: Gewinn nur rechnerisch, Lage dramatisch.

29 August 2014
Constantin von Oesterreich, HSH Vorstand

Vorstandschef von Oesterreich

Die Landesbank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein kann ihre Vergangenheit nicht abschütteln. Sie hat heute ihre Zahlen für das 1. Halbjahr 2014 vorgelegt. „Schöne Zahlen“ seien das, erklärte Vorstandschef Constantin von Oesterreich zum Aufakt der Pressekonferenz. Die wolle er gern zeigen. Dabei sind die Zahlen ganz und gar nicht „schön“. 

Gewinn im 2. Quartal viel KLEINER als Gewinn 1. Quartal

Als eine dieser vermeintlich „schönen Zahlen“ nannte der Vorstandschef das Ergebnis. Die Bank habe 432 Mio Euro Gewinn vor Steuern erzielt, sagte er. Botschaft: Wir sind zurück, die HSH erwirtschaftet wieder Gewinne. Eigentlich eine sehr gute Nachricht für die gebeutelte HSH und ihre Eigentümerinnen, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Nur leider verfliegt die Freude darüber, wenn man hinter die „schönen Zahlen“ sieht und das Zahlenwerk auseinandernimmt. 

Denn für die ersten 3 Monate 2014 stand in der Gewinn- und Verlustrechnung ein Gewinn vor Steuern von 354 Mio. Euro. Zum Halbjahr sind es jetzt 78 Mio. mehr. 78 Mio.? Nicht gerade viel für eine Bank die von sich meint, ihre Geschäfte liefen gut. Liefen sie wirklich gut, müsste das zweite Quartal ja mindestens so viel eingebracht haben wie das erste Quartal, und dann müssten zum Halbjahr mehr als 700 Mio. in der Bilanz stehen, und nicht nur 432 Mio

Wo also bleiben die Erträge des Neugeschäfts? Allein das ist betrüblich, dass der Gewinn zum Halbjahr nur geringfügig höher ist als der im ersten Quartal, das zweite Quartal also kaum Gewinn eingebracht hat. Diese unschöne Wahrheit ist dem Bankchef aber keine Erwähung wert.

Länder verzichten auf rd. 500 Mio Garantiegebühren

Schwer wiegt dabei vor allem eines: Schon der Quartals-Gewinn zum März kam NUR zustande, weil die Länder auf einen Teil der ihnen zustehenden, zusätzlichen Garantiegebühren von fast 500 Mio Euro verzichtet haben. Sie haben auf die Gelder auf für das Halbjahr verzichtet. Sie haben die Gebühren der HSH bis auf weiteres gestundet. Das ist möglich durch eine so genannte Kapitalschutzklausel, genehmigt von der EU. Bedingung: Die HSH muss sich dafür aber in einer wirtschaftlich schwierigen Lage befinden, nur dann greift diese Klausel. 

Aber auch das lässt der Bankchef unerwähnt, denn das klänge nicht mehr so schön zu sagen: Wir können für einen Teil der Garantiezusagen, die uns am Leben erhalten und die unsere Verluste übernehmen, nicht mehr zahlen. Und: Unser Gewinn beruht nur darauf, weil wir den Ländern Gelder vorenthalten.

Die Zusatz-Garantiegebühr zahlt die HSH für die sehr wahrscheinliche Inanspruchnahme von ca. 1,6 Mrd aus der 10-Mrd.-Garantie ab dem Jahr 2019. Die generellen Gebühren für die 10 Mrd.-Garantie überweist die HSH aber noch. 

Zum Halbjahr summiert sich der Verzicht der Länder jedenfalls auf 573 Mio Euro. Um sich ein Gesamtbild von der wirtschaftlichen Lage der HSH ansatzweise zu machen, müssten diese gestundeten Gebühren mit dem Gewinn verrechnet werden. Denn der Gebühren-Forderungsverzicht reduziert die Risikovorsorge und erhöht das Ergebnis vor Steuern. 

forderungsverzicht HJ14

Aufbau des Verzichts aus: Investorenpräsentation 1. HJ 2014, S. 21

Der unschöne Millionen-Verlust zum Halbjahr

Wird vom Halbjahres-Gewinn von 432 Euro die nicht gezahlte Zusatz-Garantiegebühr von 573 Mio abgezogen, ergibt sich ein Verlust von 141 Mio Euro vor Steuern zum 31.Juni 2014. 

Würden die Länder nicht zugunsten der HSH auf die Zahlung dieser speziellen Garantieprämie an ihren HSH Finanzfonds AöR verzichten, könnte die HSH Nordbank auch die von der Bankenaufsicht geforderte „harte Kernkapitalquote“ von 10 Prozent nicht mehr ausweisen. Sie läge darunter. Erreichen Banken bestimmte Kapitalquoten nicht, muss die Aufsicht eingreifen und sie schlimmstenfalls schließen. 

EZB-Stresstest und Plan-B 

Für die Länder bedeutet der Verzicht auf die Zahlung, dass ihr Risiko aus der Rettung der HSH steigt. Die Garantiegebühren fließen an die HSH Finanzfonds AöR. Diese gehört den Ländern zu gleichen Teilen. Die Anstalt sammelt die Gebühren, um sich für die schon heute sicheren Milliarden-Verluste aus der Nordbank zu wappnen. Sie zahlt aus diesen Beträgen auch die Kreditzinsen für die Kapitalerhöhung durch die Länder sowie Garantiekosten. 

Dem Finanzfonds fehlen schon heute 1,3 Mrd Euro, so hoch fällt der nicht durch Eigenes Kapital gedeckte Fehlbetrag 2013 aus. Dieser Fehlbetrag geht vor allem auf noch nicht von der HSH gezahlte Garantiegebühren zurück und Wertverluste der HSH-Aktienanteile. Steigt dieser Posten weiter an, verschuldet sich der Finanzfonds weiter. Irgendwann aber kommt der Zahltag. Und wer garantiert für den Finanzfonds? Die Länder und damit die Bürger.

Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein sind aber längst bilanziell überschuldet, auch wegen ihrer Nordbank. Noch mehr Kapital zu beschaffen und in die Bank zu schießen erscheint angesichts dieser Tatsachen nur schwer vorstellbar.

Halbjahresergebnis alles andere als schön

Wirklich „schön“ sind die Zahlen der HSH Nordbank zum Halbjahr also überhaupt gar nicht. Sie sind traurig und zeigen das ganze Ausmaß der Misere der einst stolzen Landesbank und lassen viele Fragen für die Zukunft offen. Die Bank steht mit dem Rücken zur Wand. Soviel Offenheit aber ist wohl zuviel erwartet von Vorstandschef von Oesterreich – zumindest in der Pressekonferenz. Immerhin hat er zugegeben, dass sie es schwer haben, sich als Finanzierer der norddeutschen Unternehmer zu etablieren. Dabei will die HSH doch ausgerechnet die Bank der Unternehmer sein!  

Bei der Frage eines Journalisten, ob die HSH einen Plan-B habe, sollte der Bankenstresstest der EZB im Oktober ergeben, die HSH hat zu wenig Eigenkapital – und ob die Bank schon etwas „gehört“ hätte aus Frankfurt – wurden Vorstandschef Constantin von Oesterreich und sein Finanzvorstand Stefan Ermisch einsilbig. Die Kapitallücke könnte etwa durch Verkäufe geschlossen werden oder durch neues Eigenkapital. Mehr könne man aber nicht sagen. 

HSH in Abwicklung?

In der Investorenkonferenz gibt Finanzvorstand Stefan Ermisch aber unumwunden zu, dass die HSH nicht davon ausgeht, dass sie den Ländern die gestundete Zusatz-Garantieprämie jemals zahlt. Denn Ermisch geht davon aus, dass die Eigenkapitalquote der HSH in absehbarer Zeit weiter unter 10 Prozent liegen wird, die Lage damit schlecht bleibt und der Prämienverzicht die Quote auf 10 Prozent anhebt.

Das aber heißt nichts anderes: Die Bank geht davon aus, dass ihre wirtschaftliche Lager weiter SCHLECHT bleibt und das Geschäftsmodell nicht greift. Und das wiederum bedeutet für mich: Die HSH Nordbank befindet sich längst in Abwicklung.

 

 

Foto: HSH Nordbank

7 Kommentare Auch mitreden →
  1. Bescheidwisser permalink
    30. August 2014 @ 16:59

    Interessant, die Sache mit dem Verzicht auf die Garantieprämie war mir noch nicht klar.

    Das Beihilfeverfahren ist ja auch noch nicht durch.

    • Neutraler Beobachter permalink
      2. September 2014 @ 17:15

      Wenn ich das Konstrukt richtig verstanden habe, geht es hier auch nicht um die „normale“ Garantiegebühr, sondern um eine Zusatzprämie, die nur zu zahlen ist, wenn die EK-Quote einen bestimmten Wert überschreitet… Diese Prämie steht in engem Zusammenhang mit der Inanspruchnahme der Garantie

      • 3. September 2014 @ 8:53

        Es geht in der Tat nicht um die „normale“ Garantiegebühr, sondern um eine Zusatzprämie. Ich wollte die ohnehin komplexe Materie nicht noch mehr verkomplizieren und damit vom Wesentlichen ablenken.
        Im Weiteren verstehe ich das Konstrukt der Zusatzprämie offenbar anders als Sie.

        Die Zusatzprämie ist eine Auflage der EU, die die HSH an ihre Garantiegeber – die Ländern – zahlen muss, wenn sie die 10-Mrd.-Garantie in Anspruch nimmt. Die Prämie bezieht sich dann auf den in Anspruch genommenen Betrag. Diese Prämie legt die HSH intern in ihrem Fonds für allgemeine Bankenrisiken „beiseite“. Gegen einen so genannten „Besserungsschein“ haben die Garantiegeber jetzt auf die Zahlung eines Teils dieser Zusatzprämie an ihren HSH Finandsfons verzichtet (=Aufschub). Grund: die harte Eigenkapital-Quote der HSH liegt seit diesem Jahr bei unter 10%. Das aber darf sie aufsichtsrechtlich nicht.
        Weil die Länder vorübergehend also gegen den Erhalt eines „Besserungsscheins“ die Zahlung der Prämie quasi aufschieben, darf die HSH einen Teil der zurückgelegten fast 1 Mrd. Euro ERTRAGSWIRKSAM auflösen. Das stärkt das EK.

        Richtig ist, dass die HSH diese Prämie nur an den Finanzfonds AUSzahlen muss, wenn die harte Eigenkapital-Quote über 10% liegt. Sonst müsste die Bafin die HSH wohl dicht machen wegen zu geringem Eigenkapitals. Bleibt die EK-Quote dauerhaft unter 10%, erhalten die Länder die Prämie gar nicht, tragen aber TROTZDEM die Milliardenverluste der HSH.

        So verstehe ich das. Ihre Verknüfung von „Zusatzprämie ist … nur zu zahlen, wenn EK-Quote Wert überschreitet“ führt insofern in die Irre. Die HSH MUSS die Prämie zahlen. NUR, wenn sie die von der Bafin geforderten EK-Quote NICHT mehr erreicht, weil es der HSH so schlecht geht, darf die HSH den Ländern quasi einen Prämien-Schuldschein ausstellen und Teile der Prämie stunden und zu ihren Gunsten auflösen. So liegt für mich die Sachlage. Und das ist etwas anderes, als Sie es beschreiben – oder ich es zumindest bei Ihnen verstanden habe.

        Leider bleibt die HSH Nordbank beim Erläutern dieser Zusammenhänge in ihren Geschäftsberichten sich insofern treu, als dass sie sie verklausuliert beschreibt und nicht eindeutig und nachvollziehbar erklärt. Für eine LANDESbank, die den Bürgern gehört, ist das ungeheuerlich.

        Siehe auch hier: Schriftliche Anfrage der Partei DIE LINKEN
        Siehe hier: Geschäftsbericht HSH Finanzfonds AöP 2013, S.28
        Sieher hier: Analyse HSH von Prof. Norbert Dieckmann

        • 25. Oktober 2014 @ 19:29

          Nachtrag:
          Den Besserungsschein soll es mit den neuen Rechnungslegungsregeln IFRS wohl so nicht mehr geben. Die Bank soll noch einfacher den Ländern die Zusatzgarantiegebühr nicht mehr zahlen müssen – so lese ich es jedenfalls aus der Drucksache der Hamburgischen Bürgerschaft heraus: Drs. 20/7297. Siehe Kapitalschutzklausel S. 9
          Der Mechanismus bleibt aber derselbe.

      • Bescheidwisser permalink
        3. September 2014 @ 13:21

        Der Mechanismus ist im folgenden Dokument auf Seite 14 beschrieben:

        http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl18/drucks/0600/drucksache-18-0655.pdf

        „Die bestehende Sunrisegarantie enthält neben der laufenden Grundprämie auf das Garantie- nominal auch eine sogenannte „zusätzliche Prämie“ über 3,85 % p.a. (begrenzt bis 2019), die als Bestandteil der Rückvergütung an die hsh finanzfonds (sog. Claw-back) auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Teil der Sunrisegarantie zu leisten ist. Nach der derzeitigen Prognose der Inanspruchnahme der Garantie von rund € 1,3 Mrd. wird die zusätzliche Prämie im Zeitraum zwischen 2019 und 2025 in Höhe von rund € 547 Mio. zu Gunsten der hsh finanzfonds fällig.“

        Im folgenden Text wird erläutert, dass der Verzicht gegen Besserungsschein bei einer harten Eigenkapital-Quote von unter 10% bereits in der ursprünglichen Konstruktion und Beihilfeentscheidung so vorgesehen war, um die Belastung aus der zusätzlichen Prämie in die Perioden zu verschieben, in denen die Bank diese Belastung verkraften kann. Damit nach meinem Verständnis mit dem Garantiekonstrukt nicht das widersinnige Ergebnis entsteht, dass die Kapitalquote durch die Garantie einerseits erhöht und durch die Belastung durch Garantieprämie zugleich wieder (in bedrohlicher Grössenordnung) abgesenkt wird.

        Nach Umstellung auf die IFRS-Rechnungslegung ist dieser Effekt wohl nun (noch) schwieriger zu erreichen.

        Es bleibt ein Tanz am Abgrund.

  2. Bescheidwisser permalink
    9. September 2014 @ 9:28

    Nach einem Zeitungsbericht zahlen die Länder für Beratungsleistungen im Zusammenhang mit der HSH Nordbank Tagessätze von 12.000 EUR – das spricht für sich selbst:

    http://www.shz.de/lokales/kiel/externe-beratung-fuer-hsh-kostet-laender-30-millionen-id7631356.html

    Interessanterweise wurde nach dem Artikel zeitweise die Boston Consulting Group (BCG) beschäftigt, die gleichzeitig die HSH Nordbank beraten hat – natürlich ohne den Hauch eines Interessenkonfliktes aufkommen zu lassen.

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