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Notizen am Rande.

11 August 2013

Wer es im HSH Prozess als Journalist oder Zuschauer bis in den Nachmittag schafft, dem bieten sich interessante Einblicke in die Psyche und Taktik der Verteidiger und in die Gemütslage der Angeklagten. 

Nachmittags geht es hitzig und kampflustig zu.

So lieferte sich unter anderem am 5. Tag im HSH Prozess der Verteidiger von Risikovorstand Strauß mit Staatsanwalt Wegerich einen Wortwechsel. Die Herren stritten sich darum, wer wen wann beim Reden unterbrechen darf. Bisher war Verteidiger Daum durch ausgesuchte Höflichkeit aufgefallen. Diesmal aber warf er seine guten Manieren über Bord und fuhr sogar dem vorsitzenden Richter Tully über den Mund. Tully klärte kurzerhand die Situation und ordnete eine zehnminütige Pause an. 

Aber nicht nur die Anwälte geben sich am Nachmittag anders als in den ersten Stunden des Tages, wenn noch mindestens eine Handvoll Journalisten das Geschehen beobachtet. 

Auch die Angeklagten zeigen Nerven. 

Gewöhnlich streben bei einer Pause einige der Herrschaften — und die beiden Verteidigerinnen — nacheinander nach draußen, einige bleiben sitzen, wiederum andere reden kurz miteinander. Diesmal aber fingen die Angeklagten an, hitzig miteinander über die Aussagen des Zeugen und die Fragen von Richter Bruns und Staatsanwalt Wegerich zu debattieren.  

Unverständnis und Ärger war herauszuhören, Ex-Kapitalmarktvorstand Friedrich ereiferte sich, Bernhard Visker und Dirk Jens Nonnenmacher vertieften sich im Zwiegespräch, bei dem vor allem Nonnenmacher engagiert gestikulierend auf einen ernsten Visker einredete.

Den Zeugen Marc S. sieht nur Peter Rieck kurz lächelnd an. Alle anderen ignorieren ihn beflissentlich. 

Die Ex-Vorstände sind angespannt, die Befragung ihres früheren Mitarbeiters macht ihnen sichtlich zu schaffen. Während draußen die Sonne sommerlich scheint und die Gedanken der Passanten vor dem Gericht vielleicht um Eiscreme, luftige Sommerkleider oder eine Erfrischung kreisen, kämpfen hinter den großen Fenstern im stickigen Plenarsaal des Landgerichts Hamburg sechs Männer um ihre Ehre, Zukunft, Integrität. 

Es ist jede Minute zu spüren.

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