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Nicht viel Neues im HSH Verfahren.

12 August 2013

Für den früheren HSH-Mitarbeiter Marc S. war es heute der vierte Tag als Zeuge im HSH Verfahren. Es werden vermutlich zwei weitere Tage vor Gericht folgen. Denn wenn die Strafkammer ihre Fragen gestellt hat, sind Staatsanwaltschaft und Verteidiger an der Reihe. Wirklich Neues hat die Befragung nicht ergeben – nur manches Widersprüchliche.

Richter Bruns formulierte einige abschließende Fragen zur Vorstandsvorlage zu Omega 55 und ging dann über, mit dem Zeugen E-Mails aus den letzten Dezembertagen 2007 und das so genannte „Second Risk Assessement“ durchzusprechen. Diese Analyse stammt aus der Risikoabteilung. Im „Second Risk Assessement“ untersuchen die Kollegen, welche Verluste mit Omega 55 verbunden sein könnten und wie diese zu bewerten sind. Das Assessement wurde Teil der Vorstandsvorlage. 

Bruns interessierte sich aber kaum für Details der Risikoprüfung. Er wollte statt dessen Marc S. Meinung hören.  

 

Bruns: Teilen Sie die Ansicht, dass Omega 55 einen besonders hohen Komplexitätsgrad hatte?

S.: Nein, einen überdurchschnittlichen hohen Komplexitätsgrad ja, aber nicht ein besonders hoch komplexes Geschäft. 

Bruns: Hat jemand in der HSH Nordbank eigentlich einen Summenstrich unter Omega 55 gezogen, also was es kostet und einbringt?

S.: Davon gehe ich aus. (S. weiß aber nicht, wer das gewöhnlich tut.)

Bruns: Im Teil-A Omegas gibt die HSH Risiken an die BNP Paribas ab, die sie in Teil-B, genauer in der STCDO, wieder potenziert zurücknimmt. Hat das Omega 55 unattraktiver gemacht?

S.: Nein, im Gegenteil. Es hat das Geschäft attraktiver gemacht.

Bruns: Aja.

 

Leider hakten an dieser Stelle weder die Richter noch die Staatsanwälte nach. Denn Marc S. Aussage, Teil-B habe Omega attraktiv für die HSH gemacht, wirkt widersprüchlich zu einer Antwort aus der ersten Befragung

Da hatte der Zeuge angedeutet, Zweifel an der Aussage der Rechtsabteilung gehegt zu haben, dass Omega 55 aufsichtsrechtlich o.k. sei, also die Entlastung des Eigenkapitals in Teil-A höher sei als die Belastung durch Teil-B. 

Beim genauen Betrachten löst sich der vermeintlich Widerspruch aber auf.

S. unterscheidet strikt zwischen aufsichtsrechtlichen Belangen und wirtschaftlichen Chancen. Mit der aufsichtsrechtlichen Bewertung scheint er sich nicht recht angefreundet zu haben. Dass aber mit Omega Geld zu verdienen war – oder anderweitig vorteilhaft für die HSH war, davon ist Marc S. offensichtlich bis heute überzeugt. 

 

 

2 Kommentare Auch mitreden →
  1. bescheidwisser permalink
    12. August 2013 @ 20:09

    Danke für das Update !

    Ich glaube, das Gericht droht an der Oberfläche dieses Geschäftes „abzugleiten“.

    Gerade die Details der Risikoprüfung und der Umgang damit sind ja ein entscheidender Punkt, ob die Vorstände ihrer umfassenden Prüfungspflicht nachgekommen sind.

    Im übrigen wäre das auch eine Aufgabe für den Marktbereich gewesen, dem Herr S. ja angehörte. Es ist eine Binsenweisheit, dass Rendite immer mit Risiken verbunden ist. Die Investmentbanken unternehmen grosse Anstrengungen, um die Risiken aus den Geschäften zu erkennen und zu quantifizieren. Der Chef von Herrn S. hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass die HSH in dieser Hinsicht unterentwickelt war. In diese Richtung wäre ein Nachbohren sicher lohnenswert.

    • 14. August 2013 @ 14:21

      Das sehe ich genauso wie Sie.
      Auf der Zeugenliste des Gerichts stehen insgesamt 46 Personen. Nach Herrn S. sind die zuständigen Mitarbeiter der Rechtsabteilung geladen, einige Mitarbeiter aus dem Neue-Produkte-Neue-Märkte Abteilung, aus der Kreditabteilung und Risikoabteilung.
      Es wird also noch ans „Eingemachte“ gehen. S. war „nur“ der Einstieg.
      Wir werden sehen.

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