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„Omega 55 war intellektuell interessant.“, so Zeuge Michael S.

30 August 2013

Der zweite Zeuge im HSH Prozess kommt aus der Immobiliensparte. Er war Gruppenleiter in der Immobiliensparte und mit seinem Team dafür verantwortlich, passende Immobilien-Kredite für  Omega 55 auszuwählen, die dann gebündelt wurden und für die die BNP Pariba das Ausfallrisiko übernahm. 

Jurist Michael S. mit Doktortitel arbeitete damals in Hamburg und verantwortet ein Team von mehreren Kollegen, darunter Lars Q, der die Kredite letztlich zusammenstellte und später im Prozess noch aussagen wird.  

London mit Kontakten in die Zockerbanken

Das Gericht wollte von S. wissen, wer ihm in der Bank gesagt habe, dass er sich an die Londoner Niederlassung wenden sollte, um das Verlustrisiko in der Immobiliensparte zu verringern? Denn für Kapitalmarktgeschäfte wäre eigentlich Kiel zuständig gewesen. Genau erinnerte sich der Zeuge daran nicht, aber er meinte, das wäre sein Vorgesetzter gewesen sowie Spartenvorstand Peter Rieck. Zu Rieck hatte Zeuge Michael S. wohl einen kurzen Draht, weil sie an anderer Stelle in der Bank schon zusammengearbeitet hatten.

Ohne die Auslagerung von Risiken wäre die HSH aber in eine problematische Situation gekommen, meinte Zeuge Dr. S. Und: dass ein niedrigeres Rating für die Bank ein teureres Problem gewesen wäre als eine Transaktion wie Omega 55.

Kreatives London-Team

Was die Londoner besser konnten als Michael S., fragte Richter Bruns. Er habe Erfahrung mit Syndizieren von Krediten, habe auch schon mal eine einfach Verbriefung strukturiert, damit aber seien seine persönlichen Erfahrungen zu Ende. Für ihn saß mit dem Londoner Niederlassungsleiter Luis Marti-Sanchez ein Mann vor Ort, der sich auskannte, ein kreatives Team und entsprechende Kontakte zu Investmentbanken hatte, was damals keine einfache Sache war. 

Komplex = effizient

Zeuge S. war darüber informiert, dass Omega 55 aus zwei Teilen bestand. Für ihn war das aber keine Frage, warum es einen Teil B gab, indem das ausgelagerte Risiko über eine komplizierte Zweckgesellschafterstruktur wieder bei der HSH landete und das wirtschaftlich zweifelhaft war. Er dachte, es ginge dabei um Effizienz, dass Teil B die Effizienz des Geschäftes für die HSH erhöhe. Viele Gedanken habe er sich darüber aber nicht gemacht, sagte Jurist S.

Worauf Richter Marc Tully einwarf, das sei die erste Frage gewesen bei der Durchsicht der Unterlagen, die ER sich gestellt habe, warum die Bank auf so eine komplizierte Struktur setzte, wenn es auch einfacher ginge?

Neues Produkt intellektuell interessant

Der Zeuge erklärte ehrlicherweise, dass er keine Ahnung von solchen Geschäften hatte, als er die Vorstandsvorlage zu Omega 55 gelesen habe. Es sei für ihn „intellektuell interessant“ gewesen zu sehen, wie so etwas funktioniere. 

Für ihn stellte sich aber nicht die Frage, ob Omega 55 tatsächlich wirksam sei. So viele Fachleute hätten daran gearbeitet, Kapitalmarktleute, Juristen, Wirtschaftsprüfer … er habe das so wahrgenommen, dass Omega 55 letztlich ein ganz anderes „Produkt“ gewesen sei, als die ursprüngliche angestrebte Entlastung des Eigenkapitals von Risiken aus der Immobiliensparte.

Auf Nachfrage von Richter Tully, was an Omega 55 denn so „intellektuell interessant“ gewesen sei, wich der Zeuge leicht fahrig aus.  

Daumenregel für Absicherungs-Kosten

Überraschenderweise formulierte er aber auf den Punkt, was ein Geschäft wie Omega 55 kosten dürfe, z.B. die Gebühr für Teil A, zu zahlen an die BNP Paribas, und wie sich so etwas berechnen lasse. Bei der Antwort auf diese Frage nach der Kostenkalkulation für Omega 55 hatte der erste Zeuge im Prozess, Marc S., immer herumgeeiert.

Wenn ein Kredit z.B. 120 Basispunkte an Zins einbringt, 100 Basispunkte entsprechen 1 Prozent, dann sollte eine Absicherung nicht über den 120 Basispunkten liegen, sondern darunter, damit für die Bank noch etwas übrig bleibt. Das sei die Daumenregel: Die Zinsen eines Kredites müssen mögliche Absicherungskosten selbst tragen. 

Für Omega 55 sollte die HSH Nordbank 10 Millionen Euro Gebühr an die BNP Paribas zahlen, damit die das 2,4 Milliarden Euro-Immobilienportfolio absichert. Ein viel zu hoher Preis bei einer Laufzeit von nur 3 Monaten, denn die HSH wollte Omega 55 ja schon im April 2008 kündigen. 

E-Mails um Mitternacht

Der Jurist schilderte auch den großen Druck, der auf den Mitarbeitern und auf ihm um die Jahreswende 2007 geherrscht hat. Alle hätten extrem hart gearbeitet, es gab ein „Übergewicht an Arbeit“. Um Mitternacht noch schrieb Zeuge Michael S. E-Mails u.a. an Vorstand Peter Rieck, der Zeuge wurde auch laut gegenüber einer Kollegin der Rechtsabteilung, wofür er sich noch heute zu schämen schien, weil er emotionale Ausbrüche im professionellen Umgang nicht mag.

Auch Zeuge S. hatte den Eindruck, es müsse eine Lösung für die Kapital-Probleme der Bank her. Ob um jeden Preis? Diese Frage wußte er nicht zu beantworten.    

Michael S. wirkte im Zeugenstand unsicher und weniger souverän als zuvor Zeuge Marc S. Der Jurist verwies immer wieder darauf, was er heute darüber denke, und was er in der Presse gelesen habe. Auf manche Fragen antwortete er nicht, obwohl er etwas sagte. 

Michael S. als Zeuge im HSH Prozess hat wie Marc S. die Nordbank längst verlassen. 

 

Anmerkung:
Ein früherer Kollege des Zeugen, ebenfalls Jurist, rief mich Tage vor der Befragung an und eröffnete mir in einem freundlichen Telefonat, dass der Zeuge weder mit Bild noch mit seinem Namen in der Presse und auch nicht in meinem Blog auftauchen möchte. Weil der Zeuge keine Person der Zeitgeschichte ist, wiegen seine Persönlichkeitsrechte stärker als die Berichterstattung mit seinem Namen und Gesicht, meinen Juristen.

Das gilt vermutlich für die meisten Zeugen im HSH Prozess — aber nicht für alle. 

2 Kommentare Auch mitreden →
  1. bescheidwisser permalink
    1. September 2013 @ 20:10

    Welche Rolle hatte „S“ denn überhaupt, außer in der Londoner Niederlassung anzurufen und die Absicherung zu „bestellen“ ? Insbesondere dann, wenn er nach der eigenen Einschätzung nichts von Geschäften dieser Art verstand.

    • 1. September 2013 @ 22:03

      Zeuge S. war Gruppenleiter in der Immobiliensparte, die von Verlustrisiken entlastet werden musste, damit die Bilanzzahlen für die Börsenstory stimmten. Er hat Immobilienkredite betreut, Syndizierungen organisiert. Und er war beauftragt, die Kredite auszusuchen, deren Ausfallrisiken durch Omega 55 abgesichert werden sollten. Er sollte also den Inhalt für Teil A von Omega 55 zusammenstellen, die 2,4 Mrd.
      S. stand dabei offenbar unter enormen Druck, weil „üblicherweise“ erst die Vorstände ein Geschäft genehmigten, damit er konkret Kredite vorschlagen und die rechtliche Abwicklung einleiten konnte. Omega genehmigte der Vorstand am 21. Dezember … also kurz vor knapp und S. blieb kaum Zeit für seinen Job.

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