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Richter Marc Tully will Angeklagte „nicht in die Pfanne hauen“.

8 Juli 2014
von Dani Parthum

Morgen, Mittwoch 9. Juli, könnte es soweit sein und die drei Berufsrichter und beiden Laienrichter verkündgen ihr Urteil im HSH-Untreueprozess.

Dann werden wir wissen, ob die Richter die von den Staatsanwälten Wegerich und Fink erhobenen Vorwürfe durch das Verfahren bestätigt oder widerlegt sehen – nämlich Untreue in einem besonders schweren Fall, im Fall des Finanzgeschäftes Omega 55, genehmigt am 21.12.2007. Angeklagt sind 6 frühere Bankvorstände der HSH Nordbank. 

Vor diesem Urteil, dessen Begründung es in sich haben wird, möchte ich noch einmal an manche Worte des Vorsitzenden Richters der 8. Strafkammer des Landgerichts Hamburg, Dr. Marc Tully, erinnern – vom Prozessauftakt im Juli 2013. 

 

Die Berufsrichter im HSH-Untreue-Prozess (v.l.): Volker Bruns, Dr. Marc Tully, Dr. Malte Wellhausen

 

Marc Tully gilt als versierter und sehr kenntnisreicher Richter, wenn es um Wirtschaftsdelikte geht; er selbst absolvierte eine Banklehre. Zu seiner Richtervita zählen Urteile z.B. über die Osmani-Brüder und über die Millionen von Alexander Falk. Während des Prozesses wurde er zum Richter am Oberlandesgericht Hamburg befördert. Beim Durchgehen meiner Aufzeichnungen der ersten Prozesstage sind mir einige Gedanken von ihm ins Auge gesprungen.

Er sagte u.a. zu den Vorständen, er wolle sie „nicht in die Pfanne hauen“, sondern den Sachverhalt um Omega 55 klären und ihn rechtlich einordnen.

(Kredit)Untreue müsse auch gar nicht „eigennütziger Natur“ sein und er finde, komplexe Finanzgeschäfte dürften nur auf „informierter Tatsachengrundlage“ unterschrieben werden, nachdem sie  umfänglich geprüft wurden.

Tully will wissen, was sich die Angeklagten „dabei gedacht haben“, als sie Omega 55 unterschrieben; er wolle ihre Gedanken erfahren. Er möchte ein „authentisches Verfahren“ und deshalb lade er die Angeklagten zu einem „offenen Dialog“ ein. Denn: das Gericht müsse sich bei diesem juristischen Neuland ja entscheiden! 

Die Vorstände werde sich auch daran gewöhnen müssen, dass sich der Prozess „im Ameisentempo fortbewegen wird“. Im Eiltempo geht hier nichts, so Tully wörtlich.      

Die alles entscheidende Frage vor Gericht aber ist: War das zweiteilige, komplexe Bankgeschäft Omega 55 wirklich banküblich und eine unternehmerisch vertretbare Entscheidung oder sind die sechs angeklagten Vorstände damit vorsätzlich ein (zu) hohes Risiko eingegangen und haben einen Vermögensschaden billigend in Kauf genommen?

 

Foto:  Nikolaus Herrmann 

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