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Unbestätigt: Chefwechsel bei HSH – von Oesterreich geht, Ermisch steigt auf

31 März 2016
von Dani Parthum

Gute oder schlechte Nachricht? In einer der schwierigsten Phasen der zum Verkauf stehenden, Milliardenverluste vor sich herschiebenden HSH Nordbank verlässt deren Vorstandschef, Constantin von Oesterreich, die Bank. So will es das in Sachen HSH Nordbank stets gut informierte manager-magazin erfahren haben: HSH Nordbank – neuer Chef, bald auch neue Eigentümer.

Führungswechsel im Mai/Juni

Dem Bericht zufolge hat der 62-jährige von Oesterreich den Aufsichtsratsvorsitzenden, Ex-Finanzstaatssekretär Thomas Mirow gebeten, den bis Herbst 2017 laufenden Vertrag frühzeitig aufzuheben. Wie der NDR-Sender 90,3 berichtet, werde bis zum Juni – zur Bilanzpräsentation – der bisherige Finanzvorstand Stefan Ermisch (50) den Vorstandsposten wohl übernommen haben.

Als Gründe für seinen Rückzug soll von Oesterreichs gegenüber dem Aufsichtsrat angeführt haben: Er werde demnächst 63, habe die Bank durch den EZB-Stresstest und die EU-Verhandlungen gelotst, und habe sich nicht immer fair behandelt gefühlt, weil z.B. sein Jahresgehalt von 500.000 Euro nicht angehoben worden sei. 

Kein Kommentar von der Bank

Die Pressestelle der HSH wollte den möglichen Rückzug des amtierenden Vorstandschefs nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies auf die nächste, reguläre Aufsichtsratssitzung im Zusammenhang mit der Präsentation der Bilanz am 9. Juni. Es sei Angelegenheit des Aufsichtsrates, Vorstände zu ernennen oder vorzeitig aus ihrer Verpflichtung zu entlassen.

Dafür kommentierte der parlamentarische Geschäftsführer und wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Michael Kruse, den Rückzug: 

„Der … vorzeitige Abgang Constantin von Oesterreichs trifft die Bank zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt am Beginn der Privatisierungsbemühungen der Länder. Offenbar glaubt der scheidende Vorstandsvorsitzende nicht an das von den Ländern ausverhandelte Ergebnis. Das ist ein schwerer Schlag für Bürgermeister Scholz und Finanzsenator Tschentscher, die sich bei ihren Privatisierungsbemühungen wesentlich stärker anstrengen müssen, damit die Bank über 2018 hinaus eine Zukunft hat.“

Klar ist auch: Nicht nur die Privatisierung der HSH als Auflage der EU, sondern auch der im Sommer anstehende „Verkauf“ von kaum werthaltigen Schiffskrediten an die neue ländereigene Abwicklungseinheit, die hsh portfoliomanagement AöR, bis zu einem Umfang von 6,2 Mrd. Euro wird Verluste in Milliardenhöhe aufdecken. Diese bezahlen die Länder mit der Aufnahme neuer Schulden. Welcher Vorstandschef hält dafür schon gern sein Gesicht hin? Außerdem musste die HSH die Aufstellung ihres Jahresabschlusses über die gesetzliche 3-Monats-Frist hinaus verschieben. Das ist nicht nur ein äußerst seltenes Ereignis bei Kreditinstituten, sondern kann sowohl aufsichtsrechtliche wie strafrechtliche Folgen für die Geschäftsleiter haben. Eine aufsichtsrechtliche Konsequenz wäre die Abberufung von Vorständen. (siehe dazu diesen Bericht)

Offener Brief an von Oesterreich und Mirow

Bevor von Oesterreich die Segel streicht, muss er sich aber noch mit den Fragen engagierter Bürger auseinander setzen, wie dem Offenen Brief von Dr. Werner Marnette, dem streitbaren Ex-Wirtschaftsminister und Ex-Konzernchef. Marnette fordert darin – zum wiederholten Mal hier und hier – sowohl HSH-Vorstandschef von Osterreich als auch HSH-Aufsichtsratschef von Mirow dazu auf: Schluss mit der Täuschung der Bürger Hamburgs und Schleswig-Holsteins zu machen.

Er will, dass die Bürger „schnellstmöglich und umfassend über die tatsächliche Lage der HSH Nordbank … und die zu erwartende Gesamtbelastung“ unterrichtet werden. „Sollte sich der im Raum stehende Betrag von mind. 25 Mrd. Euro bewahrheiten, würde dies die Haushalte beider Länder ruinieren und hätte fatale Konsequenzen für deren Bürger.

Amtsniederlegung wegen Interessenskonflikt

Außerdem fordert Marnette Thomas Mirow auf, wegen seiner Mehrfachfunktion als Mitglied des Gesellschafterausschusses der Hamburger Reederei Laeisz und als Boardmitglied der Investmentfirma RiverRock sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank niederzulegen. Er stünde deswegen in „schweren und illegalen Interessenskonflikt“, so Marnette in seinem offenen Brief.

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Offener Brief von Dr. Werner Marnette

Kleine Anfrage der Partei DIE LINKEN zu den Engagements und möglichen Interessenskonflikten von Thomas Mirow

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