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Breaking News: Wird HSH Nordbank doch mit NordLB (zwangs)fusioniert?

6 Juli 2017
von Dani Parthum

Für diese Nachricht muss ich meine Pause doch mal kurz beenden …

Schon länger wird in Bankkreisen und unter der Hand in vertraulichen Gesprächen darüber gesprochen, dass es für die HSH Nordbank eine politische Lösung geben werde. Weil der Verkauf bis Februar 2018 wohl doch nicht klappt.

Doch politische Lösung für HSH statt Verkauf?

Im Gespräch für die politische Lösung: die NordLB. Sie hatte kürzlich die strauchelnde Bremer Landesbank übernommen. Und könnte nun auch noch die guten Teile der HSH Nordbank auffangen. Das berichtet die Wirtschaftswoche in einer Vorabmeldung. Zitat:

„Die Landesregierungen in Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten an einem Rettungsplan für den Fall, dass der derzeit laufende Verkauf der HSH Nordbank scheitert. Der Plan sieht eine Fusion der soliden Teile von HSH Nordbank und Nord/LB sowie die Bildung einer gemeinsamen Abbaubank vor. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus Kreisen der Landesregierungen und der Bank. In die Gespräche sollen auch das Berliner Finanzministerium und die Bankenaufsicht eingebunden sein.                           Wirtschaftswoche 6. Juli 2017

Wirklich ein „Notfallplan“?

Überraschend kommt die Meldung, es werde derzeit ein „Notfallplan“ als „Rettung“ erarbeitet, folglich nicht. Schon vor längerer Zeit ist an mich herangetragen worden, dass ein Team schon viele Monate daran arbeiten soll, wie die HSH Nordbank in die NordLB integriert oder mit ihr fusioniert werden könnte. Die Kernbank wohlgemerkt. Für die Abbaubank und damit alle neuen und alten Lasten der HSH würden wohl die Länder und damit die Steuerzahler’innen gerade stehen.

Die Integration in die NordLB oder der Verkauf an die NordLB – eine Fusion von NordLB und HSH zu einer Art „Nordbank“ – erscheint schon deshalb nicht als Notfallplan. Eher als Kalkül und von längerer Hand vorbereitet. Die eigentlichen Gläubiger (=Geldgeber) der HSH Nordbank – und der NordLB – werden weiterhin so vor finanziellen Einbußen geschützt, auf Kosten der öffentlichen Hand. Und der Landesbankensektor in Deutschland wird geschrumpft, sprich: konsolidiert, was schon seit Jahrzehnten gefordert wird.

Kalkuliertes Vorgehen für politische Lösung statt wirklichem Verkauf

Für ein kalkuliertes Vorgehen spricht auch, dass durch ein Zusammengehen mit der NordLB die von den Sparkassen an ihre Kunden verkauften HSH-Zertifikate nicht wertlos würden. Sprich: Die Sparkassen müssten ihren Privatkunden nicht erklären, dass sie ihnen Schrottpapiere angedreht hatten, die erstens in der Regel viel zu komplex für Privatanleger sind und zweitens die Papiere von der Bonität der HSH abhängen und Anleger ihr Geld womöglich nicht zurückerhalten, wenn die HSH abgewickelt wird. Es geht immerhin um 7 Milliarden Euro.

Interessant auch, dass die Nachricht von einer möglichen Fusion jetzt, in den Tagen des G20 lanciert wird, wo Journalisten alles andere zu tun haben, als über die HSH zu berichten. Und: Die Infos über die Fusionspläne aus „Kreisen“ der Landesregierung und der Bank stammen. So wird die Öffentlichkeit – ohne dass sie davon wirklich Kenntnis nimmt – schon mal auf das vorbereitet, was kommen wird: Nämlich kein wirklicher Verkauf an einen Investor, bei dem noch ein Verkaufserlös erzielt werden könnte, zum Decken der Verluste. Sondern es wird läuft auf eine politische Lösung hinaus. 

Die ausfallgefährdeten Teile der HSH – die in der Abbaubank liegen – könnte die Holding übernehmen, die die Länder mit der HSH Nordbank 2016 gegründet haben. Sie könnte zu einer weiteren Abwicklungseinheit umgewidmet werden, zusätzlich zur Portfoliomanagement AöR in Kiel. Da hätten auch die faulen Kredite der NordLB mit Platz. 

Die Verluste rollen auf die Steuerzahler’innen zu

Mit dieser Nachricht wird erneut deutlich: Das Geschäftsgebaren von HSH Nordbank, Politik und Bankenaufsicht wird die Steuerzahler’innen nicht „nur“ mit den öffentlich von Albig und Scholz zugegebenen 16 Milliarden Euro belasten. Es werden weit mehr werden. Hier hatte ich die potentiellen Verluste grob überschlagen.

Es ist anzunehmen, dass die Entscheider’innen in Politik und Bank das längst wissen. Wohl spätestens seit 2015, als sich die EU mit den Ländern und dem Bund auf eine Abwicklungsbeihilfe für die HSH im Grundsatz einigte. Daraufhin wurde die HSH umstrukturiert: in eine Kernbank, eine Abbaubank und eine Konsolidierungseinheit („sonstige und Konsolidierung“). Jetzt kommt häppchenweise ans Licht, wieso diese Organisationsstruktur gewählt wurde: nicht, um das Vermögen der beiden Nordländer zu schützen, sondern um schon mal eine zweite Abwicklungseinheit vorzubereiten.

In der Kernbank lagern heute mehr als 7 Milliarden Euro an zumeist ausfallgefährdeten Schiffskrediten. Dazu summieren sich die Kredite und Geschäftsbereiche der Abbaubank und der Konsolidierungseinheit auf zusammen fast 32 Milliarden Euro. (siehe Investorenpräsentation 2016)

Das ergibt zusammen 39 Milliarden Euro, die kein normales Bankgeschäft mehr sind, seit Jahren nicht mehr. Und irgendjemand muss dafür gerade stehen. Was liegt da näher, als die Masse der Steuerzahler’innen, die sich nicht wehren kann.

Sicher stehen den „faulen“ Geschäften Million an Erlösen und Zinsen gegenüber. Aber die 39 Milliarden (+16 Milliarden) sind wohl die Verlust-Größenordnung, um die es bei einer Abwicklung der HSH Nordbank gehen wird – und einer möglichen politischen Lösung mit der NordLB.

Und jetzt wieder Pause.

 


Weitere Berichte:
Die WELT: Länder ringen um faule Kredite der HSH

 

2 Kommentare Auch mitreden →
  1. JOHn permalink
    21. Juli 2017 @ 20:53

    „Was liegt da näher, als die Masse der Steuerzahler’innen, die sich nicht wehren kann.“

    Richtig an dieser Aussage ist, dass der Steuerzahler der Zahlmeister ist. Das haben Politik bzw. die Entscheidungen hieraus so an sich. Falsch ist der Nebensatz. Der Wähler kann wählen, Petitionen starten, Demonstrieren, politische Parteien unter Druck setzen, Eintreten und seine Mitgliedsrechte wahrnehmen.

    Haben Sie in letzter Zeit vermehrt davon gehört, dass die Leute sich mobilisieren?
    Scheinbar ist es nicht teuer genug, dass man sich bemüht, bzw. schlimmer noch, das Finale von Bachelorette ist wichtiger, genaus wie GoT Staffel 7.

    Ich finde Ihren Blog wichtig und die Informationen sehr überzeugend. Allerdings kann ich nicht mit allen Schlussfolgerungen übereinstimmen. Die Bewertung blickt zu kurz.

    • 24. Juli 2017 @ 17:51

      Die Bewertung blickt in der Tat zu kurz. Es kann und sollte auch keine umfängliche Analyse sein. Nur eine Gedankenanregung.
      Und ja, wir als Wähler können mitentscheiden. Bei der HSH Nordbank hat das aber nichts gebracht. Die neuen (Mit)Regierungsparteien – in Hamburg die SPD und in Kiel die Grünen – haben die gleichen Rituale weiter gepflegt: Sie reden wie die Vorgängerregierungen die Lage schön, verweigern wirkliche Transparenz, vermischen Interessenslagen und verunglimpfen zum Teil Kritiker.
      Mein Nebensatz war deshalb im Umgang der HSH Nordbank durch die Politik schon ganz treffend gewählt.

      Egal wen wir Bürger’innen wählen, bei der HSH müssen wir die Rechnung zahlen ohne zu wissen, wer sich am Tisch den Bauch vollgehauen hat.
      FDP-Mann Kubicki beispielsweise hat kürzlich im Wahlkampf gesagt, dass die FDP sich für einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Ankauf des 5-Mrd-maroden-Schiffskreditportfolios durch die ländereigene hsh portfoliomanagement AöR einsetzen will. Davon höre ich nichts mehr, seit die FDP in Kiel … mitregiert.

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