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Neue Studie: Deutsche Bank war Großprofiteur der HRE-Rettung.

17 Juni 2014

Der frühere Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, war maßgeblich daran beteiligt, dass die Bundesregierung im Herbst 2008 Milliarden-Summen freigab, um den Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate HRE vor der Pleite zu retten. Es wurden am Ende fast 200 Milliarden Garantien dazu Milliarden an Kapital für die Münchner Pleitebank.

Manche nennen Ackermanns nächtliche Verhandlungen damals auch heute noch Erpressung. Denn Ackermann hatte die Bundesregierung gedrängt, unbedingt die HRE zu retten, sonst ginge das deutsche Finanzsystem unter.

Profitiert hat von dieser Rettung vor allem … die Deutsche Bank. Das hatte schon im September 2009 der Journalist Harald Schumann im Tagesspiegel berichtet: „Die Geretteten

Die Europäischen Grünen haben nachgelegt.

So schreibt der Europa-Abgeordnete der Grünen, Sven Giegold, in einem Artikel für die SZ „Abkassiert„, dass die Grünen eine Untersuchung in Auftrag gegeben haben, wer am meisten von der staatlichen Bankenrettung profitiert hat. Die Ergebnisse sind in diesem Artikel auf der Website von Giegold zusammengefasst – oder hier in dieser Tabelle. Und was zeigt sich da erneut?

Einer der Hauptprofiteure der staatlichen Rettung der HRE unter den deutschen Banken war die Deutsche Bank. Sie hatte der HRE fast 2 Milliarden Euro geliehen. Weil die HRE Kapitalspritzen und Garantien durch die Steuerzahler erhielt, konnte die HRE der Deutsche Bank diese Anlagesumme auszahlen. Damit floss doch Steuergeld in die Deutsche Bank – wenn auch indirekt.

Die geheuchelte Scham der Deutschen Bank.

Als Josef Ackermann später dann verkündete, er würde sich schämen, wenn er Staatshilfe für die Deutsche Bank in Anspruch nehmen müsste, war nicht nur Kanzlerin Merkel angesichts dieser verzerrten Interpretation der Tatsachen verärgert. Ackermanns markiger Spruch zeigte sehr deutlich seine persönliche Haltung zum Gemeinwohl. 

Weitere Profiteure der HRE-Rettung waren (Zahlen gerundet):

Hypo Vereinsbank/Unicredit – 2,7 Milliarden Euro
Bayern LB – 2,1 Milliarden
Postbank – 1 Milliarden
NRW Bank – 750 Millionen
DZ Bank – 500 Millionen
KfW-Bankengruppe – 400 Millionen
Commerzbank – 250 Millionen
HSH Nordbank – 120 Millionen

Auch von der Rettung des US-Versicherers AIG durch die US-Regierung profitierte die Deutsche Bank ungemein. Sie hatte fast 8,5 Milliarden bei der AIG liegen. Wären diese Milliarden futsch gewesen in einer Mega-Pleite des Versicherers AIG, hätte die Deutsche Bank sehr alt ausgesehen; sie hätte fast ein Drittel ihres Eigenkapitals verloren (siehe Tabelle Grünen-Studie). 

Sven Giegold schreibt dazu:

„Es ist eine Schande, dass Jahre nach der Krise immer noch nicht publik gemacht wurde, wer eigentlich vom Bail-Out profitiert hat. Nicht alles wird sich rekonstruieren lassen. Doch eine Dunkelquote von über 95% ist aus demokratischer Sicht völlig unerträglich. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht darauf zu wissen, wer die letztlich Nutznießer der Bankenrettungen waren.“

Die Grünen Europas fordern deshalb Finanzminister Schäuble und die EU-Kommission auf, für mehr Transparenz zu sorgen. Ohne Druck wird das aber sicher nicht geschehen.

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5 Kommentare Auch mitreden →
  1. Bescheidwisser permalink
    17. Juni 2014 @ 21:40

    Sehr wichtige Erkenntnis ! – auch die Deutsche Bank hat indirekt von der Staatshilfe profitiert, so wie sie generell von der unausgesprochenen Garantie profitiert, dass sie „too-big-to-fail“ ist, und Investoren daher sicher sein können, dass im Notfall immer der Steuerzahler einspringt.

    Sprüche über die angebliche Unabhängigkeit vom Staat, wie der des Herrn Ackermann, sind daher eine unerträgliche Dreistigkeit.

  2. Bescheidwisser permalink
    18. Juni 2014 @ 21:05

    Guter Dokumentarfilm über die „Masters of the Universe“

    „Der Banker“ – derzeit noch bei Arte+7

    http://www.arte.tv/guide/de/048858-000/der-banker-master-of-the-universe?autoplay=1

  3. 7. April 2015 @ 12:06

    Irgendwie muss sich die Deutsche Bank retten… zusätzlich zu den großen Verlusten mit dem „Franc Suisse“ und verschiedene Strafen hat die DB in den letzten 4 Jahren auch noch 1,3 Millionen Kunden verloren: http://bank-facts.net/deutsche-bank-looses-1-million-clients/ Was kommt jetzt als nächstes?

  4. Bescheidwisser permalink
    29. Juli 2015 @ 12:14

    Hallo,
    Ihr Blogtitel ‚bad banks‘ ist etwas verwirrend, da es in Ihrem Blog gar nicht um Bad Banks geht.
    Ich hoffe Sie wissen, dass Bad Bank ein definierter Begriff in der Finanzwelt ist.

    • 18. August 2015 @ 11:22

      Der Blogtitel stammt aus den Anfängen des Blogs, als ich 2009/10 anfing, über die deutschen Abwicklungsanstalten zu berichten – für den NDR oder Deutschlandradio Kultur. Und weil uns das Thema über Jahrzehnte beschäftigen würde, habe ich diesen Blog eingerichtet. Als Archiv, als Gedankenstützte, als Informationsplattform. Siehe „Ein Gesetz entsteht“ und „Bad Banks: Milliardengrab und Staatsgeheimnis„.

      Später habe ich das Blog für die Berichterstattung des Prozess um die früheren HSH-Vorstände genutzt und heute veröffentliche ich Analysen, Kommentare, Gedanken zur HSH und allgemein der deutschen Bankenrettung. Ich finde, das passt alles durchaus auch zum Blogtitel.

      Freilich aber geht es nicht mehr ausschließlich, wie anfangs gedacht, nur um die „Bad Banks“ FMS-Wertmanagement und Erste Abwicklungsanstalt.
      Helfen Sie mir: In welcher finanzwissenschaftlichen Literatur wird der Begriff „Bad Bank“ definiert – außer ansatzweise bei Jan Eric Kvarnström?

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