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Hans Berger: „Für mich ergaben sich keine Zweifel.“

25 März 2014

In freier Rede

Hans Berger war der erste, der zum Untreue-Vorwurf in einer vorbereiteten Rede Stellung genommen hatte. Das war gleich nach Prozessauftakt am 26. Juli 2013. 8 Monate später, am 24.März, 48. Verhandlungstag, hat der Ex-Vorstandschef dieses Statement ergänzt – in freier Rede. Diesmal war seine Stimme fest, fast angriffslustig – ganz anders zum Prozessauftakt, da sprach er leise…

In freier Rede

Hans Berger war der erste, der zum Untreue-Vorwurf in einer vorbereiteten Rede Stellung genommen hatte. Das war gleich nach Prozessauftakt am 26. Juli 2013. 

8 Monate später, am 24.März, 48. Verhandlungstag, hat der Ex-Vorstandschef dieses Statement ergänzt – in freier Rede. Diesmal war seine Stimme fest, fast angriffslustig – ganz anders zum Prozessauftakt, da sprach er leise, mit teils brüchiger Stimme.

Intensiv beschäftigt mit Omega 55

„Herr Vorsitzender, hohes Gericht“, begann Berger. Dann erklärte er, wie er an die Vorstandsvorlage herangegangen war, als er sie am 19. Dezember 2007 erhielt. Erst habe er sie sich „oberflächlich“ angesehen, sich dann mit der Entscheidung der Risikoabteilung und den Empfehlungen der Neue-Produkte-Neue-Märkte Abteilung (NPNM) auseinandergesetzt, um „mögliche Bedenken und Empfehlungen zu entdecken“ – um das anschließend bei der „intensiven Beschäftigung“ mit der Vorstandsvorlage berücksichtigen zu können. 

HSH trägt Risiko nicht allein

Aus der Vorstandsvorlage habe sich klar das Ziel des Geschäftes ergeben – es ging um eine Verbesserung der Eigenkapitalstruktur um 128 Millionen Euro. Die 3 Bausteine des Geschäftes waren Hans Berger dabei vertraut (die RWA, der STCDS, die Laufzeitfaszilität), sagt er. Die Laufzeitfaszilität kam für Hans Berger einer Eventualverbindlichkeit gleich, woraus sich für ihn die Frage stellte: „Wer trägt zu welchem Zeitpunkt welches Risiko?“ Au…
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5 Kommentare Auch mitreden →
  1. Reinzeichner permalink
    27. März 2014 @ 14:23

    Wenn ich Ihren blog lese, gewinne ich den Eindruck, dass sich der Vorstand mit dem Vorgang nur routinemäßig befasst hatte – keine Abstimmung mit den Vorstandskollegen, keine Entwicklung eines Störgefühls im Dunst der heraufziehenden schweren Finanzkrise. Lehmann gab es zwar noch nicht, aber in Deutschland warf das IKB-Desaster schon seine tiefen Schatten. Ich erinnere mich noch, wie neue Stichworte damals schon die Börse beunruhigte: CDOs, Zweckgesellschaften, Rhineland Funding etc. Ich vermute, dass die Entscheidungen überall so leichthin gelaufen sind, weil das Gefühl für das Risiko schwindet, sobald es alle so machen und die Fachabteilungen ja „alles“ geprüft haben. Als Ressortchef der Rechtsabteilung hätte Herrn Berger allerdings die Überlastung der Abteilung auffallen und wenigstens kritische Rückfragen erzeugen müssen. Jedoch Fehlanzeige. So harmlos begann die schwerste Finanzkrise in Deutschland, obwohl an den Kapitalmärkten eigentlich schon alle Antennen ausgefahren waren.

    Reicht das Verhalten von Herrn Berger, um anzunehmen, dass bei dieser Form der Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters angewendet wurde? Für einen Funktionär wahrscheinlich. Aber der Vorstand war nicht als Funktionär angestellt, noch wurde er als solcher bezahlt. Er sollte nämlich „unternehmerische Entscheidungen“ treffen und auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft handeln. Hat er aber nicht, wenn sich jetzt herausstellen sollte, dass die Information gerade nicht ausreichend war.

    Zum Vergleich denke ich immer an einen persönlich haftenden Gesellschafter: Wie hätte der in einer solchen Situation gehandelt? Zumindest hätte er in so einem Kapitalmarktumfeld sehr kritisch geprüft, er würde Erklärungen anfordern und am Ende die Finger von so einem Geschäft lassen. Die Peitsche des Existenzrisikos hätte ihn geführt. Genau diese fehlte dem Vorstand. Immerhin erkennt Herr Berger ja wohl die Gesamtvorstandsverantwortung an und versteckt sich nicht hinter anderen „verantwortlichen“ Ressortvorständen. Aber ob ein persönliches, honoriges Verhalten ausreicht, um eine Pflichtverletzung zu beseitigen, möchte ich doch bezweifeln. Was meinen Sie?

    • 27. März 2014 @ 16:25

      Ich sehe es ähnlich wie Sie. Und Sie benutzen ein Wort, was es meiner Meinung nach perfekt trifft: routinemäßig. Routinemäßig, als würde draußen die Sonne scheinen und das Meer rauschen und nicht gerade ein unheimliches Sausen das Herannahen eines Orkans ankündigen, routinemäßig, nicht aus der Ruhe zu bringen, haben die Vorstände Omega 55 behandelt, im Eil- und Umlaufverfahren, ohne dass für die Bank so wichtige Geschäft – wie sie sagen – untereinander zu besprechen und zu bewerten. Das zeugt von einer bestimmten Einstellung.

      Es gibt da diesen Volksmund, der die Verantwortung von Führungskräften und Unternehmern exakt auf den Punkt bringt: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser, (weil überlebenswichtig für Firmen). Kontrolliert und hinterfragen im positivem Sinne haben die Vorstände ihre Mitarbeiter offenbar nicht oder eher unzureichend, obwohl es zumindest in London schon länger knirschte. Sie aber haben vertraut – das ist ihre Argumentationslinie. Führung geht für mich anders.
      Und es gibt einen anderen Volksmund, der auch hervorragend passt: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

  2. bescheidwisser permalink
    27. März 2014 @ 22:10

    Und beim Votum des Bereichs Neue-Produkte-Neue-Märkte hat Herr Berger schon nichts Auffälliges gefunden ? Nichts was eine Nachfrage oder eine Auflage für die Genehmigung hätte ratsam erscheinen lassen ?

    „Aufgrund der Dringlichkeit des Antrages und der sehr kurzfristig zu erfolgenden Umsetzung erstellen wir dieses Votum auf Basis von noch nicht final vorliegenden Dokumenten. Der Dokumentationsprozsss wird in Abstimmung rnit dem UB Recht bis zum Handelstag abgeschlossen.“

    „Eine vollständig korrekte Bewertung der Transaktion würde bedeuten, dass alle Einzelkomponenten und -ereignisse vollständig in den Systemen der HSH abgebildet und bewertet werden müssten. Dies ist zum einen technisch und prozessual nicht möglich, zum anderen kann der Portfolio CDS der HSH Sub, welcher sich sich im Wert der Shares wiederspiegelt, nicht korrekt bewertet werden. Vor dem Hintergrund der kurzen Laufzeit der Transaktion (bis Mitte April 2008) wird eine darstellbare Abbildung gewählt, die das Marktrisiko bestmöglich repliziert.“

    http://www.strate.net/de/dokumentation/Strafanzeige-HSH-Ergaenzung07.pdf

    Fehlende Unterlagen – Nicht vollständige Abbildung – Nicht bewertbar

    Es gab in dieser Zeit mehrere ähnliche Transaktionen – das ist im Prozess ja bereits zur Sprache gekommen. Aber auch daraus resultierende Zeitdruck, die fehlenden Unterlagen und die Hinweise auf eine unvollständige Abbildung und Bewertung sind doch wohl eher Warnsignale als ein „Business as Usual“.

    Weniger überraschend ist die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt Verbriefungstransaktionen von HSH immer noch betrieben wurden bzw. darin investiert wurde – der formelle Beschluss, das Credit-Investment-Portfoilo abzubauen, wurde schliesslich erst im September 2008 gefasst (= Projekt „Wetterfest“).

    • 27. März 2014 @ 23:08

      Hans Berger hat sich zu diesen Einschränkungen von NPNM und den generellen Widersprüchen in der Vorstandsvorlage nicht geäußert. Er hat vielmehr mehrfach betont, dass in der Vorlage und in den beiden beigefügten Einschätzungen (NPNM und Risiko) immer wieder Sätze zu finden sind, die zeigen, dass die Rechtsabteilung Omega geprüft hat. Und darauf hat er vertraut.
      Hartmut Strauß, der vor Berger gesprochen hat (Bericht kommt noch) ist sehr wohl auf Einschränkungen in der Vorlage eingegangen, z.B. bei der Risikoeinschätzung, wo auch stand, dass die Zeit für die Einschätzung sehr kurz bemessen war (ein Wochenende!!). Das kommentierte Strauss sinngemäß: Die zeitliche Enge war nicht ungewöhnlich (also normal?) und nicht als inhaltliche Einschränkung zu sehen, sondern eher als schwierige Arbeitssituation. Dennoch haben die Vorstände auf die Mitarbeitermeinung vertraut, obwohl sie wußten, dass ihre Leute öfter mal zu wenig Zeit haben für … ja, wofür? Nachdenken? Tiefer graben? Kollegenrat und -statements einholen? Verträge auszugsweise lesen? …

  3. bescheidwisser permalink
    28. März 2014 @ 20:40

    Die Entscheidungen „im Schweinsgalopp“ scheinen der Normalfall in der HSH geworden zu sein – das Gericht wird aber sicher einen objektiven Maßstab anlegen und prüfen, ob damit noch den Sorgfaltspflichten für Vorstand einer Banken Aktiengesellschaft genüge getan wurde und mag das hohe Tempo noch so branchenüblich gewesen sein.

    Zeit für die Mitarbeiter – wofür ? Zum Beispiel…

    – die Transaktion vollumfänglich verstehen
    – die Verträge lesen
    – die Annahmen überprüfen
    – die Auswirkungen auf die Risikosituation der Bank gründlich abschätzen
    und für die Abbildung in den Systemen vielleicht etwas anderes als den notdürftigsten Workaround entwickeln und umsetzen.
    – die Einschätzungen über den eigenen Bereich hinweg austauschen, diskutieren und Wechselwirkungen erkennen
    usw…

    Aber vielleicht wollte der Vorstand der HSH ja auch genau das gar nicht, weil dann eine schnelle Zustimmung eher unwahrscheinlich gewesen wäre.

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