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Hartmut Strauß: „Einen Pflichtverstoß kann ich nicht erkennen.“

27 März 2014

Ex-Risikovorstand Hartmut Strauß hat an diesem 48. Verhandlungstag gleich zu Beginn um das Wort gebeten, bevor sich zum zweiten Mal in diesem Verfahren Ex-Vorstandschef Hans Bergeran das Gericht wandte. Strauß hatte die HSH Nordbank 2008 aus gesundheitlichen Gründen verlassen; er schied auf eigenen Wunsch aus der Landesbank aus. In einer der größten Bankenkrisen, die die Welt verkraften musste, stan…


Ex-Risikovorstand Hartmut Strauß hat an diesem 48. Verhandlungstag gleich zu Beginn um das Wort gebeten, bevor sich zum zweiten Mal in diesem Verfahren Ex-Vorstandschef Hans Berger an das Gericht wandte. Strauß hatte die HSH Nordbank 2008 aus gesundheitlichen Gründen verlassen; er schied auf eigenen Wunsch aus der Landesbank aus. In einer der größten Bankenkrisen, die die Welt verkraften musste, stand die HSH damit ohne Risikomanager da. Den Posten übernahm als „Zwischenlösung“ Dirk Jens Nonnenmacher mit. 

Seine Sicht der Dinge

Strauß hatte seine Worte vorbereitet, er las sie ab. Offenbar war es ihm ein Bedürfnis, Stellung zu den Untreuevorwürfen zu nehmen, denn er sagte zum Auftakt, er will seine „Sicht der Dinge“ und sein „Mitwirken an der Transkation“ darlegen, trotz gegensätzlicher Empfehlung. Strauß sprach leise und langsam, nahm immer wieder mal einen Schluck aus seinem Wasserglas. Gleich zu Beginn kritisierte er Staatsanwaltschaft und Medien. Manche Aussage der Staatsanwaltschaft habe Strauss als „empörend empfunden“, wie auch die teils hämische Berichterstattung in den Medien.

Verantwortlichkeiten

Strauß habe sich als Risikovorstand mit der Vorstandvorlage zum Omega-55-Geschäft am 17.12.2007 erstmalig und auch letztmalig befasst. Was nicht überraschend sei, sondern normal, denn die Anbahnung von Geschäften liege „in der Verantwortung der Ressortvorstände“. Sein Verantwortungsbereich erstreckte sich dabei u.a. auf di…
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2 Kommentare Auch mitreden →
  1. Cap permalink
    2. April 2014 @ 7:40

    Für mich klingt das doch sehr nach Organisationsversagen, wenn ein Vorstand erst durch einen Prozess zu erfahren scheint, dass die Unterabteilungen sich auf die Strategie des Vorstands verlassen, so dass der Vorstand sich dann im Prozess beklagen muss, dass sich ehemalige Mitarbeiter anscheinend nur „herausreden“.
    Einen Atemzug später benutzt derselbe Vorstand dieselbe Ausrede umgekehrt: (sinngemäß) „Ich habe mich ja nur auf meine Untergebenen verlassen! Ist doch normal! Die werden auch gut bezahlt und sind kompetent und freundlich! Ich kann doch nicht alles selbst erledigen!“

    Ob man das „eilbedürftig“ nennt oder nicht ist m. E. unerheblich, wenn klar ist bei welcher Kürze der Zeit und mit welcher Arbeitsbelastung für Untergeordnete solche Entscheidungen vom Vorstand als ganz normal hingestellt werden.
    Der Vorstand sagt also: es ist bei uns normal, dass sich nachträglich Milliardenverluste aus Geschäften ergeben können, deren Risiken man vorher nicht aus Vorstandsvorlagen erkennen kann, deswegen können solche Geschäfte vom Vorstand ohne Angst vor Verurteilung abgezeichnet werden.
    Danke für das Geständnis.
    Gib dem Untergeben einfach wenig Zeit und habe immer einen Ersatzmann bereit. Lass ihn glauben zu wissen, er handele im Sinne des Vorstands. Dann kann später keiner verurteilt werden, jeder hat ja eine Ausrede: Das Funktionieren der Organisation einer Bank wird gut vorgeführt in diesem Prozess.
    Danke für den Blog, Frau Parthum.

  2. Reinzeichner permalink
    3. April 2014 @ 16:13

    Wie Sie schreiben, stellte Gutachter Hultsch am 37. Verhandlungstag fest, dass das ökonomische Eigenkapital eine zentrale betriebswirtschaftliche Entscheidungsgröße zur Dimensionierung des Sicherheitspuffers darstellt und ein erster Anker ist, um Risiken beurteilen zu können. Beide jedoch, die Herren Berger und Strauß, konzedieren, dass in der Vorstandsvorlage Angaben zum ökonomischen Eigenkapital fehlten.
    Im Risikobericht 2007 der HSH Nordbank (S. 72 ff.) wird der ökonomische Eigenkapitalbedarf als ein zentrales Instrument zur Steuerung der Risikotragfähigkeit der Bank im Rahmen eines Kapitaladäquanzprozesses beschrieben. So wird der „ökonomische Eigenkapitalbedarf zur Absicherung der unerwarteten Verluste (Gesamtrisiko) regelmäßig der verfügbaren Risikodeckungsmasse (Risikodeckungspotenzial) gegenübergestellt.“ Erstaunlicherweise ist trotz wesentlicher Auswirkungen aus der Subprime- bzw. Finanzkrise auf die Ausfall-, Markt- und operationellen Risiken die ökonomische Risikotragfähigkeit der Bank 2007 auf ein Deckungspotenzial von 45% gestiegen – so der Risikobericht.
    Wie kann ein Kreditrisikomanagement zur Bewertung und Überwachung der Krediteinzelrisiken, für welches der CRO verantwortlich war, funktionieren, wenn der Wertbeitrag (die primäre Steuerungskennzahl) von Omega 55 gerade keine Risiko- und ökonomischen Eigenkapitalkosten berücksichtigen konnte?
    Interessant ist auch der Blick auf den folgenden Risikobericht 2008, der zeigt, dass der Risikodeckungspotenzial-Puffer auf 9% stürzte und damit wesentlich unter dem Zielpuffer von mindestens 41% blieb (S. 87)!
    Ebenso interessant ist auch, wie sich Ende 2007 bereits die Subprimekrise im Marktrisiko der Bank abbildete. Das Gesamt-Value-at-Risk der Bank erreichte am Jahresende sein absolutes Peak. Von der Bank wurden die Alarmzeichen im Risikobericht also selbst aufgezeigt.
    Unter diesen Umständen scheint mir ein Verzicht auf die Entscheidungsgröße „ökonomisches Eigenkapital“ im Vertrauen auf spätere Nachlieferung zumindest leichtsinnig.
    Das Verfahren bleibt spannend.

    Geschäftsbericht 2007:
    https://www.hsh-nordbank.de/media/pdf/investorrelations/geschaeftsber/gb2007/download_4/HSHNordbankGeschaeftsbericht2007.pdf)
    Geschäftsbericht 2008:
    http://www.hsh-nordbank.de/media/de/pdf/investorrelations/geschaeftsber/2008/gb2008/konzernfinanzbericht2008.pdf?

    (Hervorhebungen von D.Parthum)

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